Comic, Manga, Manhwa – alles gleich?

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Comics sollte jedem ein Begriff sein. Jeder assoziiert etwas anderes mit der 9. Kunst. Die Einen finden es kindisch oder sogar für zurückgebliebene. Andere sehen eine echte Kunstform und eine andere Form der Literatur. Dazu kommen viele Abarten und andere Bezeichnungen. Ich möchte ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Also Augen auf!

Die 9. Kunst

In Frankreich werden Comics richtig gewürdigt. So hat – der mittlerweile verstorbene – Francis Lacassin 1971 den Begriff der neunten Kunst geprägt. Die 8 anderen Kunstformen sind Malerei, Bildhauerei, Zeichnung, Grafik, Architektur, Fotografie, Fernsehen und Film. Das in dieser Liste die Comics gehören ist nur gerechtfertigt (für mich). Wahre Meisterwerke werden hier von Zeichnern geleistet, die in den meisten anderen Branchen mehr Beachtung und Würdigung finden würden.

Leider fehlt diese Würdigung für Zeichner, Autoren und sogar Leser werden kritisch gesehen. In Deutschland ist das Problem noch größer. Buchläden haben selten ein paar Comicbände im Regal, wenn dann nur Asterix und das Lustige Taschenbuch. Kinderkram schreien einige Eltern und zerren ihre Kinder in die „richtige“ Buchabteilung. Das ist nicht verkehrt, aber Comics können auch anspruchsvoll sein.

Manga?

Auf meinen Blog unterscheide ich zwischen Manga und Comics und das obwohl diese Trennung sehr frei ist. Der Begriff Manga kommt aus dem japanischen, genauer heißt es: 漫画. In Japan war dies lange Zeit der Begriff für Comics, also für Bücher mit Bild und Text. Außerhalb von Japan wurden aber bald die typischen Mangastile von Comics getrennt.

So werden sie von „hinten“ nach vorne gelesen und von rechts oben nach links unten. Des Weiteren sind sie meist schwarzweiß. Aber es gibt noch weitere Unterschiede. So sind Mangas – zumindest wenn man der nun „gültigen“ Abgrenzung geht – wenn sie aus Japan kommen. Um das Ganze besser zu trennen heißen ähnliche „Comics“ aus Südkorea Manhwa und aus China Manhua.

Das Wort Manga hat so viele Übersetzungsvarianten das es ist schwer ist eine klare Übersetzung zu finden. Ein paar sind folgende: „ungezügelt/frei“, „ziellos“, „bunt gemischt“ und „impulsiv“. Lange war aber auch „komikku/komikkusu“ (コミック) ein gängiger Begriff.

Wie lange gibt es schon Mangas?

Der älteste Fund kommt aus dem frühen 8. Jahrhundert und wurde von Buddhistischen Mönchen angefertigt. Damals noch unter dem Namen Emakimono. Es folgten Holzschnittbilder und damit auch die ersten namentlich Manga genannten Werke. Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann Einflüsse aus dem Westen, die die Kultur der Mangas leicht veränderte. Während des zweiten Weltkriegs wurden die Mangas – ähnlich wie in westlichen Comics – als Propaganda genutzt, die aber aus dem Comicstrip ausbrachen und mehrere Seiten umfassten.

Nachdem Krieg wollten die Menschen aus dem Alltag entfliehen und Kleinverläge versuchten mit ihren Mangas für Ablenkung zu sorgen. In den 50er Jahren begann die Popularität rasant zuzunehmen. Der Manga wurde zum kulturellen Exportgut und verbreiterte sich in mehreren Themen. Immer mehr Frauen fanden den Weg in den Manga. Mit der Jahrtausendwende wurden Anime – die animierte Form eines Mangas – und Mangas als Kunstform akzeptiert und zogen sogar in den Kunstunterricht ein. Eine traditionelle japanische Kunst sozusagen.

Shōnen, Shōjo und Co.

Um Lesern ein klares Bild zu geben was sie bekommen, wurden Subgeneres gegründet. Diese sollen verdeutlichen, was dem Leser geboten wird. Denn Manga ist nicht gleich Manga. Die Hauptuntergruppen sind Kodomo (für kleine Kinder), Shōnen (für männliche Jugendliche), Shōjo (für weibliche Jugendliche), Seinen (für (junge) Männer) und Josei oder Ladies Comic (für (junge) Frauen).

Gerade Seinen Mangas prägen das Bild eines nicht Manga Lesers. „Da sind ja nur halbnackte Frauen drin“, hört man nicht selten von nicht versierten Manga Lesern. Dieser oft als Fanservice bezeichnetes Stielelement gehört für viele einfach dazu. Bietet aber keine Aussage über den wahren Inhalt der Mangas. Denn diese können trotz eines Knopfs zu wenig, eine „harmlose“ Geschichte präsentieren.

Shōnen Mangas sind dann eher actionlastig und am ehesten mit westlichen Comics vergleichbar. Aber auch hier können diverse Fanservice Elemente eingebunden sein. Dafür gibt es keine festen Regeln. Eine Untergruppe – die sogenannten Shōnen Ai Mangas – sind sogar explizite Boys-Love-Mangas.

Mangas sind auch was die Liebe anbelangt sehr viel diverser als Comics. Jeder darf mit jedem Lieben oder auch Sex haben. Dagegen werden „nicht“ Japaner eher selten behandelt.

Ihr merkt schon: die Welt der Mangas ist deutlich größer als man meinen mag. Bei den Lesern sind Mangas – vor allem im Vergleich zu herkömmlichen Comics – bei Frauen und Mädchen deutlich beliebter.

Der Rest sind alles Comics?

Natürlich gibt es hier mehr Unterscheidungen. Das sind nicht nur Genres sondern auch Zeichenstil und mehr. Aber der große Unterschied ist das Format und das es bunt ist (ja auch hier kann man nicht für alle sprechen). Einen Comic als solches zu bezeichnen ist schwerer als das einordnen zu einem Manga, da Mangas die klare Abgrenzung (Format, schwarzweiß Zeichnung, Leserichtung) haben.

Im westlichen Raum sind – außerhalb der großen Leser bzw. bei Gelengenheitslesern – Comics deutlich bekannter als Mangas.

Graphic Novels?

Und schwup wären wir bei den Graphic Novels, die wieder eine ganz andere Form für sich beanspruchen. Ohne nachzuschlagen wirken diese literarischer und reifer als „Comics“. Aber ist das wirklich die offizielle Unterscheidung? Ja und Nein.

Gehen wir doch erst mal hin und übersetzten den Inhalt „illustrierter Roman, Comicroman, Grafischer Roman“, also das Zeichnen einer Geschichte könnte man meinen. Fokus liegt auf der Geschichte. Denn es ist mehr Marketingwort, als tatsächliche Unterscheidung. Die Geschichten sind oft länger, komplexer und richten sich an ein erwachsenes Publikum. Das hätten sie aber auch als Comic tun können. Die Verknüpfung mit dem Wort Novel erzeugt ein wohligeres Gefühl, bei denen die sonst in Comics nur Kinderkram sehen.

Also schlussendlich ist es eine Möglichkeit – gerade in Deutschland – das Schmuddelimage loszuwerden.

Bande dessinée

Eine andere Comicform kommt aus Frankreich und hört auf den schönen Namen Bande dessinée. Konkreter sind es frankobelgische Comics. Der Herausgeber muss aus Frankreich, Belgien oder Luxemburg kommen. Das die Herkunft eine Rolle spielt, ist schon mal eine Ähnlichkeit zu Mangas.

Die Anfänge des Bande dessinées sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu finden. Nach Gagstrips in Tageszeitungen, folgten Comics in Zeitschriften der katholischen Kirche die sich an das junge Publikum richten sollte. Der erste französische Comic war wohl Zig und Puce von Alain Saint-Organ. Dieser wurde zwar auch in Tageszeitungen als Gagstripes veröffentlicht, aber diese waren nicht abgeschlossen, sondern wurde von Woche zu Woche fortgesetzt. So entstanden immer mehr Comics und die Begeisterung wuchs.

Gibt es sonst Regeln? Scheinbar nicht. Es reicht der Verleger. Aber sie haben ihren eigenen Stil. So sind sie oft mit historischen Bezug und teilweise eher krakelig gezeichnet. Das heißt nicht das alle so sein müssen, aber es gibt genügend Beispiele.

Mein Senf

Mir hat es Spaß gemacht den Artikel zuschreiben und einiges zu lernen. Gerade das Thema Manga, und der (nicht wirklich vorhandene) Unterschied zwischen Comic und Graphic Novel, hat mich schlauer gemacht. Vielleicht auch euch.

Am Ende ist die Kunstform egal, die Unterscheidung zwischen Comic und Manga reicht mir vollkommen und ist mir nicht sonderlich wichtig. Hauptsache man liest und würdigt diese Kunstform. Leider kommt es in Deutschland etwas zu kurz. Jeder Buchladen mit Comics und Mangas bekommt von mir ab und an mal paar Euro, damit sie wissen: das funktioniert. Zwar stehen diese dann oft in der Jugend– und Kinderecke, aber da gehören sie nicht unbedingt hin.

Wie geht es euch? Findet ihr Unterschiede zwischen den vielen Formen? Was bevorzugt ihr beim lesen?

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