[Versus] Deezer vs Tidal

Mal wieder ein kleines Versus gefällig? Wenn ja, lest mal schön weiter. Auch wenn es wie beim letzten Mal um Streaming geht, geht es aber diesmal um Musikstreaming.

Das Feld an Streaming Anbietern ist groß und doch sind viele ähnlich. Preise und Auswahl an Songs ist oft ziemlich ähnlich. Also warum habe ich Deezer und Tidal „gepickt“? Deezer nutze ich nun schon seit mehreren Jahren und bin durchaus zufrieden – warum und was nicht so toll ist, werdet ihr noch zu lesen bekommen. Tidal ist ziemlich frisch am Markt, macht hier und da Werbung und bietet den Kunden auch Musik im FLAC Format (1411) an. Und wer schon gute Kopfhörer hat, der braucht auch gute Musik auf den Ohren.

Warum überhaupt Musikstreaming?

Ich war nie großer Fans von CDs – egal ob mit Musik oder mit anderen Dateien. Es passt nicht viel drauf und man muss somit ständig wechseln, dazu kommt das Singles und Alben oft ziemlich teuer waren. Beim Musikstreaming kann ich spontan – je nach Lust und Laune – Genre und Musikstück auswählen, wie mir gerade ist. Oft auch bevor die CD überhaupt erscheint, bzw. der Verkäufer seinen Laden überhaupt aufmacht.

Der wichtigste Punkt ist aber die Musik. An einer CD bekommt der Künstler oft nur einen Bruchteil des Ertrages (es sei denn sie haben gut verhandelt, und das können sich nur die „großen“ Künstler leisten). Und den Künstler kann es prinzipiell egal sein, ob ich seine Musik gut finde und die CD 20 mal höre oder ob ich sie schlecht finde und nur einmal höre. Bei Musikstreaming wird der Künstler nach „Anhör“-Zahlen bezahlt. Das heißt: höre ich oft Musik von meinem Lieblingskünstler, bekommt er bei jedem hören Geld. Ich gestehe dass dieses Konzept vor allem bei bekannten Künstlern gut funktioniert. Unbekanntere Künstler sind aber sicherlich nicht viel schlechter dran als bei CD Käufen – denn hier greifen die Labels auch mehr ab.

Übrigens, nette Randgeschichte: Ein Künstler bekommt pro gespielten Song, bei einem Streamingportal mehr Geld, als wenn sein Song einmal im Radio gespielt wird und so von Potenziell mehr Kunden gehört wird.

Firmengeschichte(n)

Deezer gibt es bereits seit 2007 und wird von einem Französischen Unternehmen Blogmusik SAS betrieben. Mittlerweile werden 182 Länder mit mehr als 35 Millionen Titeln bestreamt. Dabei ist die maximale Bitrate bis zu 320 kbit/s.

Tidal hingegen ist ein „frisches“ Unternehmen welches Anfang des Jahres richtig geschlüpft ist. Gegründet wurde Tidal von der (norwegisch-schwedischen) Firma Aspiro bereits 2014. Anfang 2015 ist dann Jay-Z, Beyonce, Rihanna, Madonna und Kanye West eingestiegen. Aktuell ist Tidal in mehr als 30 Ländern verfügbar. Auch hier sind 34 Millionen Titel verfügbar. Zusätzlich gibt es noch Videos von Künstlern.

Bei der Auswahl an Musikstücken würde ich sagen, sind es die gleichen Musikstücke. Ich habe kein Lied gefunden, was bei dem anderen nicht verfügbar wäre.

Plattformen

Deezer bietet einen Webplayer (für Chrome, Firefox, IE und Safari (geht aber auch in anderen 😉 ), ein Programm für Windows (das gab es mal, war aber sehr schlecht) und Mac folgt, eine App für Windows 8, iOS App (>5), Android App (>1.6), Windows Phone (>7), BlackBerry, für eine Handvoll SmartTVs, HiFi Geräten und Autos (Partner sind u.a. Mini, BMW und FIAT).

Tidal hat ebenfalls einen Webplayer, ein Programm für Windows (>7) und OS X (>10.8), eine iOS App (>8) und eine Android App (>4.4.4). Dazu kommen eine Handvoll an Partner, auf denen Tidal laufen kann, beispielhaft sei hier Sonos, Harman Kardon und Oppo genannt.

Also hier muss man ganz klar sagen das Deezer mehr Systeme unterstützt und auch ältere Betriebssysteme (-versionen).

Sieg: Deezer!


Deezer

Tidal

Design

Fangen wir mit Deezer an. Deezer sieht auf allen – von mir getesteten – Geräten ziemlich gleich aus. Das Design ist schick und modern. Ich finde schnell das was ich suche, die Benutzerführung ist gut. Es gibt aber keinen absoluten Eyecatcher. Es ist simpel, ein Player mit ein wenig Beiwerk, keine Gesten, kaum Animationen.

Tidal ist frisch, so frisch dass das Design noch in den Kinderschuhen steckt. Mit dem aktuellen Design holt man niemanden hinter dem Ofen vor. Die Menüpunkte sind wirr und wann man einen Titel downloaden kann, ist auch nicht immer klar. Playlists, Alben und Charts können gedownloaded werden, einzelne Lieder konnte ich nicht downloaden.

Aber die Kritik am Design betrifft in erster Linie, die Webansicht und das Windows Programm. Die iOS und Android App ist ein bisschen aktueller, die iOS App verfügt über eine Art Click-wheel wobei man einfach nur „Swipen“ kann, um im Musikstück vor- oder zurückzuspulen.

Wenn man Deezer schlicht nennt, dann ist Tidal spartanisch. Versteht mich nicht falsch, das ist in beiden Fällen nicht schlecht, aber ein bisschen mehr dürfte es schon sein. Auch wenn man sagen muss, Tidal kann sich da noch viel verbessern und wird dies wohl auch tun. Denn die Apps von Tidal machen den Eindruck, als dass da mehr drin sein wird.

Aktuell ist der Sieg Deezer gewiss!


Deezer

Tidal

Besondere Funktionen

Deezer hat eine Handvoll sinnvolle Erweiterungen die aus dem reinen Streaming ausbrechen. Es gibt eine Funktion mit dem Namen Flow. Damit schlägt dir Deezer Musik vor, die aktuell zu dir passt. Die Gefahr ist natürlich, wenn der Partner Frühs immer Schluchz und Jammer Musik hört und du den Flow startest und ständig von einem rührseeligen Lied zum nächsten geführt wirst.

Es gibt seit neustem eine Sportfunktion. Das ist quasi ein Bundesliga Radio, wenn man unterwegs ist, kann man so seinem Lieblingsverein oder der Bundesliga im allgemeinen verfolgen.

Hörbücher kann man ebenfalls hören. Es besteht auch die Möglichkeit, eigene Musik hochzuladen um dann Unterwegs darauf zuzugreifen. Für Karaoke Fans oder Menschen die gerne wissen wollen, was sie gerade hören, gibt es sogar bei vielen Titeln den Text zum Mitlesen. Die Position im Lied entspricht auch exakt der angezeigten Textstelle.

Das sind alles ziemlich nützliche Funktionen, die den ein oder andern durchaus überzeugen können.

Playlists oder eigene Musik importieren, ist in Tidal aktuell nicht möglich. Für Wechsler sicherlich ein Kritikpunkt, der einen Wechsel für viele eher Abschreckend wirken lässt.

Tidal bietet mit Discovery und Rising zwei besondere Funktionen. Wobei Discovery Künstlern eine Plattform gibt um ihr Musik bekannt zu machen. Es handelt sich dabei um Künstler ohne Label. TIDAL Rising hingegen bietet Künstlern mit einer kleinen Fanbase die Möglichkeit sich vorzustellen. Des Weiteren kann man bei Tidal auch Musikvideos anschauen.

Hier fällt es mir schwer einen Dienst besser zu bewerten. Das ist wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der eigenen Vorlieben.

Für mich ist Deezer aktuell leicht vorne.


Deezer

Tidal

Preismodelle

Deezer bietet aktuell 2 verschiedene Preismodelle an. Das eine ist das Discovery Angebot. Dieses ist kostenlos, dabei wird hin wieder Werbung dazu geschaltet. Ganz ehrlich: wer so geizig ist und dann auch noch mit Werbung überhäuft wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Zumal Deezer sicherlich mehr mit Werbung verdient, als wenn man den Abopreis zahlt. Von denen die dann auch noch die Werbung blocken und somit den Künstlern nichts für ihre Leistung geben, ist absolut nicht mehr zu helfen. Man kann mobil aber nur auf den Flow und die Radios zugreifen.

Das zweite Modell ist Premium+. Dieses kostet 9,99 € im Monat. Mit dem Modell kann man dann auch die mobilen Anwendungen verwenden und Musik offline hören. Wer sich unsicher ist, darf auch 30-Tage-Probehören.

Tidal bietet kein kostenlosen Modus an, sondern nur die beiden Optionen „TIDAL Premium“ und „TIDAL HiFi„. In Deutschland kostet Premium 9,99 € und HiFi 19,99 €. In den USA gibt es noch 6 Monatsangebote wobei die Preise 1,50 $ bzw. 4 $ günstiger sind, als der Normalpreis. Beide Modelle können 30 Tage getestet werden, dazu muss man aber die Zahlungsmethode trotzdem angeben (VISA, Mastercard, Paypal oder American Express). Der einzige Unterschied ist ziemlich deutlich, bei dem HiFi Modell bekommt man einen FLAC Stream mit 1411 kBit/s (44.1 kHz, 16 bit). Wenn man im Browser hört, muss man aber den Chrome verwenden um das HiFi Format zu verwenden. Und nicht zu verachten, wenn man Online mobil hören will, verbraucht der HiFi Modus mehr Datenvolumen bzw. nimmt beim Download mehr Platz ein. Leider muss ich gestehen kann ich mit den Bowers & Wilkins kaum einen Unterschied feststellen, diese dürfte aber an den Ausgabegeräten liegen. Also wenn ihr diesen Modus nutzen wollt braucht ihr a) HiFi Kopfhörer, b) HiFi Gerät mit Hochauflösenden Kopfhöreranschluss, c) das Geld für die 10 € teurere Flat und d) gute Ohren, damit ihr den Unterschied überhaupt hört. Aber macht doch einfach den Test für euch selbst: http://test.tidalhifi.com .

Bei beiden können bis zu drei Geräte mit dem Account verknüpft werden. Dabei ist es aber nicht möglich gleichzeitig Musik Online zuhören. Die Modelle für 9,99 € kosten gleich, das kostenlose Deezer Modell ist für mich weniger Wert als ein HiFi Modell, also Sieg für TIDAL!


Deezer

Tidal

Qualität

Beim Anlegen meiner Playlist, habe ich festgestellt, das Tidal alles in die Playlist legt was man will, auch Titel die bereits drin sind. Das ist absolut unschön. Bei einer Playlists von mehr als hundert Liedern, fällt so etwas nicht auf.

Es gibt auch diverse Stellen die einfach noch nicht übersetzt sind. So wird die Funktion TIDAL Rising und TIDAL Discovery nur in Englisch erklärt. Kein Beinbruch, aber auch nichts was von besonders hoher Qualität spricht.

Solche Qualitätsmängel habe ich bei Deezer nicht feststellen können, was aber wohl auch daran liegt, das Deezer älter und somit reifer ist.

Trotz allem Sieg Deezer!


Deezer

Tidal

Fazit

Wenn man sich alle einzeln Disziplinen anschaut ist Deezer durchaus in vielen Bereichen überlegen. Wenn da nicht die Rechtlichen Probleme wären. Seit einigen Monaten ist es nicht mehr möglich Musik bei Deezer auf der SD Karte runterzuladen. Da mein Daily Driver nur 16 GB internen Speicher hat, habe ich so keine Offline Musik verfügbar. Mit Tidal funktioniert der Download auf die SD Karte ohne Probleme. Auf Rückfragen hat Deezer Rechtliche Restriktionen genannt, was der Unterschied von Interner Speicherkarte und SD-Speicherkarte ist, will mir nicht ganz einleuchten (mal abgesehen vom „Ausbau“ der Karte). Wenn ich das Gerät an einen Rechner anstecke, sehe ich die Dateien auf beiden Datenspeichern, kopieren kann ich diese dann auch. Sei es drum.

Und genau deswegen werde ich jetzt erst einmal Tidal nutzen. Ist Tidal besser als Deezer? Aktuell überhaupt nicht, es ist unfertig und noch nicht so sexy – vor allem in der Webansicht und als Windows Programm. Die Apps hingegen sind durchaus brauchbar.

Da beide jeden Monat kündigen kann, kann man jederzeit wechseln.

Was nutzt ihr für Streaminganbieter, und wieso könnt ihr diese Empfehlen? Lasst es mich wissen. Vielleicht schreibe ich über eure Empfehlung mal einen Blogbeitrag 🙂

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