Die Anonymität des Internets bringt merkwürdige Gestalten hervor. Manche verlieren im Netz ihr Benehmen und jeglichen Anstand. Dabei ist egal ob man Menschen-, Frauen-, Kinder- oder Ausländerfeindlich ist. Die Anonymität schütz diese Person und lässt sie „ihr Ding“ machen. Was tun? Die Politik hat eine Antwort, aber woher kennen wir diese Idee?

Das Problem

Ich möchte mit euch auf Reisen gehen. Stell dir vor es ist das Jahr 1984 – eine komplett willkürliches Jahr – und du schaust ein Fußballspiel. Es ist die letzte Minute der Nachspielzeit. Dein Verein führt. Der Gegnerische Spieler dringt in den Strafraum ein, und fällt wie vom Blitz getroffen um. Der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt und gibt einem beliebigen Verteidiger die rote Karte. Der Spieler steht auf, klatscht mit seinen Kollegen ab, tritt zum Strafstoß an und verwandelt. Du sitzt mit deinen Kumpels auf der Couch. Was passiert? Jeder beginnt zu schimpfen, den Schiedsrichter zu beleidigen und das geht den ganzen Abend so.

Kommen wir ins hier und jetzt zurück. Gleiche Situation, was passiert? Jeder holt sein Smartphone raus und schreibt auf sämtlichen Sozialen Netzwerken, was das für ein bescheuerter Schiedsrichter ist. Manche versuchen seinen Arbeitgeber – den Fußballverband – zu schreiben, andere versuchen direkten Kontakt zu dem Schiedsrichter aufzunehmen. Kaum auszudenken, wenn der Schiedsrichter Wurzeln im Ausland hat.

Die Ausfallenden Kommentare, die man sonst im geschlossenen Raum äußeren würde, werden Öffentlich rausposaunt. Jetzt nehmen wir diese Situation und wenden sie auf Frauen, KinderAusländer oder sonstige Minderheiten an. Paaren wir diese Aussagen vielleicht noch mit einer Morddrohung. Und schon hätten wir in der echten Welt eine Anzeige. Das Internet ist für viele ein rechtsfreier Raum, hier darf man alles. Stimmt das?

Der Vorschlag

Die aktuellen Minister der Bundesrepublik – ohne jetzt zu politisch zu werden – sind oft mehr bemüht sich selbst zu profilieren, anstatt sich mit Themen ernsthaft auseinanderzusetzen. Die neueste Errungenschaft: Hasskommentare löschen. Um diese zu finden muss eine Kommission dies bewerten und entscheiden, was ein Hasskommentar ist und was nicht.

Was so einfach klingt, ist gar nicht so einfach. Denn wer entscheidet was ein Hasskommentar ist und was nicht? Der Grat zwischen Hass und Tatsache kann fließend sein und liegt auch im eigenen Ermessungsgrad.

Natürlich wird immer alles im Schleier des Terrorismus versteckt. Denn nur dann akzeptiert die Bevölkerung eine Maßnahme die sich gegen die eigene Freiheit richtet. Konkrete Vorschläge gibt es aber natürlich noch nicht. Die Betreiber werden in die Pflicht genommen. Wie diese aber die Masse an Nachrichten überblicken können, wird natürlich den Betreibern überlassen.

„Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“
George Orwell

1984

Ganz so zufällig war die Jahreszahl von oben nicht. Denn 1984 war ein sehr berühmtes Jahr. Es handelt sich dabei um ein Buch, mit selbigen Namen. Dieses habe ich leider bisher noch nicht auf Vincisblog rezensiert. Es handelt sich dabei um ein absolutes Meisterwerk von George Orwell. Grober Plot: es handelt sich um eine Zukunftsvision – das Buch wurde in den Vierziger Jahren geschrieben. Diese Vision ist aber sehr Düster. Die Bevölkerung wird kontrolliert, dies ist aber dieser nicht zwangsläufig bewusst. Desweiteren gibt es ein Institut für Wahrheit, was alte Zeitungsartikel ändert. So wird zum Beispiel den Wetterbericht geändert, um dann zu sagen: Wir haben mal wieder alles richtig vorher gesagt. Die totale Überwachung war an der Tagesordnung. Ähnlichkeiten? Auf jeden Fall!

Noch besser passt das Ganze zum Thema: Fake-News. Welches ja ebenfalls von dem selben Minister kontrolliert/verhindert werden möchte.

„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“
George Orwell

Aktueller Stand

Nicht jeder weiß das es bereits einen „Bußgeldkatalog“ für bzw. gegen Hasskommentare gibt. Also wenn ich im Internet ein Hasskommentar abgebe, könnte ich dafür juristisch und finanziell belangt werden. Wie im „echten“ Leben kommt es nur zum Verfahren, wenn mich jemand anzeigt. Nachdem Prinzip „Wo kein Kläger, da kein Richter“ . Diverse Bundesländer haben bereits Internetwachen an die man sich in diesen Fällen wenden kann. Wie ein solcher Bußgeldkatalog aussehen kann findet ihr hier.

In einem konkreten Fall, muss dann aber die Internetwache der selben Meinung sein, sonst passiert nichts. Also viele Wenns und Abers.

Kontrolle? Kontrolle!

So wie immer ist die Frage: wer kontrolliert die, die kontrollieren? Wenn jemand etwas gegen jemanden hat, lässt er vielleicht Kommentare eher zu. Heutzutage hetzten Zeitungen bereits – berechtigt oder nicht sei mal dahin gestellt – gegen Putin oder Erdogan. Bin ich als Kontrolleur selber Meinung lasse ich mehr durch, bin ich anderer Meinung ist für mich alles „Lügenpresse“ , „Fake-News“ oder ein „Hasskommentar“ .

Aber wer so ein Gremium – ob nun bei einem sozialen Netzwerk oder ein staatliches – gründet, wird nur gut ausgebildete und „faire“ Personen einstellen, diese perfekt schulen und alles wird gut, so die Meinung einiger. Aber Zweifel sollten hier angebracht sein. Einige Länder haben bereits Zensur und die ist vieles, nur selten fair. Natürlich wäre das bei „uns“ ganz anders…

„Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich.“
George Orwell

Aber was tun?

Alles so lassen und das Internet den Idioten überlassen, kann ja auch nicht die Lösung sein, oder? Natürlich nicht. Wie sieht es aus wenn das bestehende, mit eigener Moral gekoppelt wäre? Gepaart mit besserer Bildung? Also das Bestehende ist das jeder Betreiber von Foren und Webseiten für das Verantwortlich ist, was geschrieben wird, egal von wem das kommt. Kleine Websiten und Foren könnten es stemmen, große wie Facebook können kaum jedes Kommentar prüfen bzw. erst prüfen und dann freigeben.

Die Moral ist das „Melden“ oder auch Petzen von solchen Kommentaren, dazu muss aber jemand sich mit diesem Hinweis auseinandersetzten und das Ganze bewerten. Neu wäre eine bessere Bildung in Form von „Social Media Unterricht“ in der Schule. Was bedeutet es? Was kann ein solches Kommentar für mich und meine Zukunft bedeuten, etc. ist den wenigsten bekannt. Eine bessere Sichtbarkeit, einen höhere Bildung kann hier nicht schaden.

„Ob er nieder mit dem Großen Bruder hinschrieb oder nicht, machte keinen Unterschied. Ob er mit dem Tagebuch fortfuhr oder nicht, machte keinen Unterschied. Die Gedankenpolizei würde ihn trotzdem erwischen. Er hatte – auch wenn er nie die Feder angesetzt hätte – das Kapitalverbrechen begangen, das alle anderen in sich einschloss. Gedankenverbrechen nannten sie es. Gedankenverbrechen konnte man auf die Dauer nicht Geheimhalten.“
George Orwell

Ist das realistisch?

Das ich hier mehr konkrete Ansätze aufführe, als manche andere, mag zwar stimmen, aber ist das überhaupt realistisch umsetzbar? Die Verantwortlichkeit der Unternehmen ist von Land zu Land verschieden, und ist den meisten Unternehmen bis zur Anklage herzlich egal. Die Moral ist da, einige lachen oder regen sich darüber auf, greifen aber entweder selbst zu Hasskommentaren oder ignorieren es. Weil viele denken „das Melden funktioniert doch eh nicht“, siehe direkt darüber.

Das Ergänzen des Unterrichts wäre durchaus eine Möglichkeit, ist aber Ländersache und kann auf Bundesebene nicht festgelegt werden. Ob und wann ein Bundesland so etwas durchsetzt steht noch absolut in den Sternen.

Am Ende kann man mit einer solchen Diskussion vielleicht etwas anregen, die „einfache“ Lösung gibt es aber nicht.

[SENF]: Eine Kategorie um meine persönliche Meinung oder Eindruck zu aktuellen Themen kund zu tun.

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Veröffentlicht von Vincisblog

Softwaretester, Technikaffin, Comicnerd und vieles mehr. Gerne auch etwas kleinkariert.

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