Seit Jahren versuchen diverse Automobilhersteller die Konnektivität ihrer Autos zu ermöglichen bzw. zu verbessern – hab ich mal so gehört 🙂 . Die Idee dahinter: der Kunde bekommt Internet und Apps im Auto, dazu noch praktische „Remote“ (außerhalb des Autos) Funktionen und der Hersteller bzw. die Werkstatt bekommt mehr Kundeninformationen. Um sich von Herstellern unabhängig zu machen, und um den Kunden alles aus einer Hand anzubieten, haben Google und Apple die Zeichen der Zeit erkannt und ihre eigene Lösung entwickelt. In diesem Beitrag möchte ich Apple CarPlay vorstellen, die Vorzüge und die Nachteile erläutern.

Einleitung

Seit einigen Wochen hat mir mein Arbeitgeber ein neues Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Bei der Konfiguration habe ich darauf geachtet dass das Fahrzeug Apple CarPlay fähig ist (die Android Auto Funktion ist ebenfalls integriert). Es handelt sich dabei um einen Mercedes-Benz, sollte aber – bis auf die Herstellereigene „App“ – keinen Unterschied machen. Trotz allem beziehen sich die Angaben zum Thema Verbindung, Einrichtung und Ausstattung teilweise auch auf dieses Fahrzeug.

Das Einrichten welche Apps in welcher Reihenfolge angezeigt werden sollen, können in den iPhone Einstellungen VOR dem Verbinden getätigt werden. Das sieht dann so aus:

Verbindung

Zum Auto gab es zwei Kabel. Einmal ein Lightning Kabel und ein Micro USB Kabel (natürlich mit einem Stern Aufkleber). Welches für welches Gerät ist sollte klar sein. Geräte mit einem USB-C Anschluss haben da erst einmal verloren. Dieses Kabel muss man dann einfach in das iPhone stecken und dann in der Mittelkonsole in den richtigen Anschluss (bei mir gibt es 2, einen zum Laden und einen für CarPlay (Android Auto)). Wenn die Zündung an ist, verbindet sich das iPhone direkt. Man muss bei der ersten Verbindung, die Verbindung auf dem iPhone bestätigen, und voila man ist „Connected“ . Kabellos kann man sich aktuell nur bei diversen Modellen verbinden (meines Wissens geht es nur bei einem BMW (nur ein Modell)).

Apps

It’s all about apps! Wer jetzt denkt er könne alle Apps nutzen der sollte gewarnt sein. Nicht jede App ist CarPlay fähig. Diverse Apple Standardapps konnte ich bei mir finden, so zum Beispiel die Telefon, Nachrichten, Karten, Podcast und Musik App. Von Drittanbietern habe ich nur Spotify, Audible und Amazon Music. Dazu gesellt sich noch ein Icon mit einem Mercedes Logo. Was macht die so? Scheinbar nichts. Nach einem Klick gelangt man in ein „leeren“ Screen mit einem Link zurück zum Homescreen. Mehr geht nicht.

Gerade wenn man die Möglichkeiten sieht, ist die Menge an Apps doch eher ein Witz. Einige Messagingapps fehlen zum Beispiel. Alternative Kartenapps würden sich ebenfalls anbieten.

Bedienung Headunit

Wer Apple CarPlay nutzt sollte sich darauf einstellen das man danach die Headunit nicht mehr bedienen kann (Navi, Radio, Einstellungen vom Fahrzeug). Zumindest ist das bei meinem Auto so. Also eine Navigation kann im verbundenen Zustand nur vom iPhone oder einem anderen externen Gerät (z.B.: Navi) erfolgen. Das kann für einige sicherlich ein Problem darstellen.

Abgesehen vom Zündung einstellen, wobei das Radio angeht, ist danach Sense. Zum Beispiel: Zündung an, Radio geht. Dann iPhone anstecken und Podcast an. Danach geht das Radio aus und man kann es nicht mehr mit angesteckten iPhone aktivieren.

Allgemeinere Aufbau

Wie sieht den überhaupt dieses CarPlay aus? Gewohnt. Man bekommt einen Screen mit zwei Reihen mit jeweils 4 Apps serviert (wenn du 8 CarPlay Fähige Apps hast). Die Anordnung erfolgt von oben links nach unten rechts. Das Design ist vom iPhone bekannt. Mit einem Wisch (oder den jeweiligen Navigationstasten im Auto) zur Seite, kommt man auf den nächsten Screen. Links gibt es eine Leiste. Von oben nach unten sieht sie wie folgt aus. Oben gibt es 3 Apps zur Auswahl, das sind zuletzt verwendete Apps, aber auch die Telefon App. Die Logik was angezeigt wird, konnte ich aber nicht immer nachvollziehen. Darunter gibt es Uhrzeit, Netzstärke und Netzgeschwindigkeit. Ganz unten links gibt es den Homebutton.

Das ist nichts neues und man fühlt sie wohl. Größter Vorteil: dieses Design ist immer gleich. Egal welches Auto man fährt, man weiß sofort wie man was findet.

Kommunikation

Während des hören eines Podcast taucht beim Eintreffen einer Nachricht, ein Benachrichtigungsbanner auf. Das sieht ebenfalls sehr bekannt aus, denn dieser sieht aus wie auf dem iPhone. Klickt man okay wird diese Benachrichtigung ausgewählt – natürlich werden nur die Benachrichtigungen angezeigt, die von Apps kommen, die man auch mit Apple CarPlay nutzen kann. Dann liest Siri die Nachricht – vorausgesetzt es ist eine SMS oder iMessage – vor, was teilweise sehr lustig sein kann 🙂 . Dann fragt Siri ob du antworten willst. Ein kurzes Ja führt dazu eine Antwort zu diktieren. Diese wird vor dem Senden noch einmal abgespielt und dann in Textform versendet. Praktisch ohne Ende und bei allen Fahrzeugen funktioniert dies dann gleich. Alles aus einer Hand, vom aller feinsten.

Wenn du die Nachrichten App im Auto öffnest und einen Kontakt auswählst, kannst du auch eine Nachricht direkt beginnen. Ebenfalls möglich mit Siri direkt zu reden. Dafür gibt es einen Knopf am Lenkrad der Siri aktiviert – das hängt sicherlich vom Hersteller ab und funktioniert natürlich nur, wenn das iPhone angesteckt ist.

Solltest du als Beifahrer – als Fahrer ist das ja nicht erlaubt – das iPhone in die Hand nehmen und die Nachrichten App starten, kannst du nicht tippen, sondern aktivierst direkt Siri. Keine dumme Idee.

Kabel mit Nachteilen

Scheinbar interessiert es niemanden, mich stört es aber ungemein. Die Kabelbindung sorgt nicht nur für Datenaustausch, sondern auch für das Laden des iPhones. Da ich von Montag bis Freitag auf Arbeit und nach der Arbeit nach Hause fahre, lädt das iPhone jeden Tag zweimal. Der Akku wird so unnötig belastet. Bei längeren Fahrten macht das Laden während der Fahrt (manchmal) durchaus Sinn, so – mit knapp 10-20 Minuten – eher nicht. Ein manuelles Umschalten ob das iPhone geladen wird oder nicht, wäre wünschenswert. Dafür könnte man sicher eine Option in den Einstellungen hinzufügen.

Das mitgelieferte Kabel ist auch unnötig lang. Weniger als 20 Zentimeter reichen vollkommen, der Weg zur Ablage sollte dem Hersteller ja bekannt sein, das ist aber natürlich Mercedes spezifisch.

Apple Karten

Das ich kein großer Fan der Apple Karten bin, habe ich bereits erläutert. Da Apple aber – wie auch sonst – das geschlossene System bevorzugt und keine Fremdkarten Anbieter zulässt, musste ich Apple Maps wieder installieren. Der Vorteil, gegenüber der integrierten Karte von Mercedes, ist das die Karte deutlich besser aussieht. Obwohl das obsolet ist, da man das normale Menü – und damit auch das integrierte Navi – nicht verwenden kann, wenn das Telefon angesteckt ist. Auf dem Handy findet man schneller Ziele und kann dies auch ohne weiteres vorab tun. Dann muss man nur noch das Telefon anstecken und das Ziel ist bereits ausgewählt.

Siri ist eine ganz angenehme Navistimme. Komisch ist nur das wenn sie was sagen will die Musik leiser wird, danach folgt eine Pause und erst dann redet sie los. Diese Pause ist mir persönlich zu lang.

Vor einer längeren Fahrt habe ich bereits mein Datenvolumen aufgebraucht, so dass die Berechnung etwas länger gedauert hat. Zwischendrin sah ich die Karte nicht, aber die geplante Straße. Im Funkloch führte die Navigation mich sogar mehrmals falsch, weil das Navi nicht hinterher kam. Eine Offline Funktion bietet die Karten App von Apple nicht, was ebenfalls ein Nachteil ist.

Meine Nutzung

Um Apple CarPlay besser zu verstehen, sollte ich meine Nutzung erläutern. Bisher habe ich das iPhone via Bluetooth mit dem Auto verbunden. Die Nachteile liegen auf der Hand. Man muss manuell Bluetooth am iPhone aktivieren. Das Pausieren von Musik funktioniert nicht immer, das Auswählen von Titeln, ist nur am iPhone direkt möglich.

Nachdem Verbinden habe ich meist einen Podcast gehört. Nachrichten haben den Ton des Podcast reduziert und ich wusste nicht wer und was geschrieben wurde. Also bestand die Gefahr, das man mal doch einen Blick wagt. Bei einem Anruf wird mir dies angezeigt und ich kann annehmen.

Die Nutzung bleibt gleich nur viel leichter. Denn nachdem Verbinden kann ich den Podcast auswählen und den Verlauf verfolgen, stoppen, spulen und einen anderen Podcast wählen. Direkt mit den Boardmitteln, ohne das iPhone in die Hand zu nehmen. Auch ein Blick auf „wie viel bleibt noch“ ist so möglich. Es ist schon viel angenehmer (und da meine ich nicht (nur) das hervorragende Fahrgefühl 😉 ).

Mein Senf

Gerade das ständige Laden nervt mich ungemein. Mein aktuelles iPhone habe ich nicht mehr lange, aber ein neues wird sicherlich am Ende der Lebenszeit über einen kaputten Akku verfügen. Das Thema wird wohl gar nicht behoben und mit Kabellosen Verbindungsmöglichkeiten obsolet. Auch die Restrektion der Karten finde ich störend. Dass das normale Menü nicht erreichbar ist, kann man auch nicht ganz verstehen. Zumal beim direkten verbinden, das Radio weiter dudelt, danach kann man nicht mehr umschalten.

Der Rest ist einfach nur genial. Denn man muss nicht erst mühselig eine Verbindung herstellen. Man kann super Nachrichten hören und schreiben und leicht einen Podcast/Musik auswählen, spulen und eine anderen Podcast/Musikstück auswählen. Da der Aufpreis lächerlich gering ist (knapp 200 €) sollte man die Chance – wenn der Autohersteller das anbietet – durchaus nutzen und CarPlay dazubuchen.

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Veröffentlicht von Vincisblog

Softwaretester, Technikaffin, Comicnerd und vieles mehr. Gerne auch etwas kleinkariert.

2 Comments

  1. […] Auch ein großes Update hat die Podcast App bekommen. Einiges ist besser, aber wenn man mehr als 6 Pods von unterschiedlichen Kanälen hat, ist es aktuell – hoffentlich liegt das noch an der Beta – etwas unübersichtlich, da auf der Startseite immer nur ein Pod von einem Kanal angezeigt wird. Um alle zu sehen, muss man mühselig über Mediathek -> Folgen gehen. Das gilt auch für Apple CarPlay. […]

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  2. […] Smartphone zücken zu müssen, ist ganz praktisch. Selbiges gilt fürs Autofahren, ist aber dank Apple CarPlay nicht mehr ganz so relevant für […]

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