[Games] Pro Evolution Soccer 2017

Lesezeit: 8 Minuten

Willst du Fußball digital spielen, musst du Pro Evolution Soccer spielen. Wer etwas anders sagt oder spielt, will „nur“ Kurzzeit Unterhaltung. Zu Polemisch? Vielleicht, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt in diesen Wörtern. Und warum das so ist und ob es auch mit PES 2017 so ist, erfahrt ihr hier.

Der Weg zu PES

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Mein digitale Fußballvergangenheit geht bis zu FIFA 1996 zurück. Damit fing quasi alles an. Bis 2004 habe ich mir jedes FIFA – manchmal ein paar Ableger wie EURO und Bundesliga Stars – reingezogen. Aber 2004 war alles vorbei. Hat man einmal einen Weg gefunden, heißt es schnell 10:0 mit 8 Fallrückzieher Toren. Ob man mit 0 oder 8 Stürmern spielt macht keinen Unterschied. Die Aufmachung war zwar gut, aber auf dem Platz war FIFA eine Lachnummer.

Also wollte ich mal schauen wie das Gras auf der anderen Seite aussieht. Pro Evolution Soccer 4 holte ich mir für die Playstation 2. Und nein es gefiel mir nicht. Hässliches Menü, viele falsche Namen, kaum Lizenzen, es war ein Trauerspiel. Ich hielt aber durch und probierte mich durch. Bis es nach zirka 3 Monaten klick machte. Die Taktik hatte immensen Einfluss aufs Spiel, ein Torwart war bei einem knappen Spiel, bei einer Ecke, in den letzten Minuten, im gegnerischen Strafraum anzutreffen. Es war stimmig.

Es folgten in unregelmäßigen Abständen immer wieder neue PES Spiele und ich war absolut angetan. Ja das Menü ist nicht frisch, der Schiedsrichter oft zu kleinlich, aber Taktisch und auf dem Platz eine Offenbarung!

Editor + Mods

Ich liebe Editoren. Eine ganze Mannschaft zu erschaffen und einen Spieler zu modellieren, hat mir stets Freude gemacht. Sodass ich immer froh war selbigen in jedem PES vorzufinden. Noch ein Stück besser ist das Ganze mit Mods, die dafür sorgen das Original Mannschaften und Spieler Einzug halten und somit ein runderes Ergebnis abzuliefern. Besonders am PC einfach gemacht. Dann ist es auch möglich für das eigene Fantasie Team ein eigenes Trikot, mit eigener Werbung zu erstellen. TRAUMHAFT! Noch besser das es mittlerweile einen Kit Creator gibt.

Allgemein

Aber Pro Evolution Soccer ist nicht immer die beste Lösung. Es mangelt an allen Ecken an Lizenzen – Mods und die tatsächliche Nutzung der Lizenzen bei der Konkurrenz, lass ich mal außen vor. Und die Menüs sind entweder überladen oder schlecht designed. Meist beides.

Die Konkurrenz – namentlich FIFA – ist in der Präsentation und in der Menügestaltung schon immer voraus. Aber die Wahrheit liegt auf dem Platz, das ist dann vor allem erkennbar in der Kategorie „Taktik“ und „Langzeitmotivation“ .

Engine

Es mag ungewöhnlich erscheinen, aber ich möchte zum tatsächlichen Testbeginn mit der Engine anfangen. Denn diese kommt bei Konami nicht aus einem Sportspiel. Die Engine wurde für Metal Gear Solid entwickelt und das finde ich schon ziemlich ungewöhnlich. Seit PES 2015 ist diese im Einsatz, aber erst jetzt hat Konami sie perfekt abgestimmt. Die Bewegungen sehen flüssig aus und wirken durchaus realistisch. Was die Optik auf dem Platz anbelangt wird PES immer besser.

Die Bewegungen sehen gut aus, manchmal meint man, man hat ein FIFA vor sich. Und das ist in dem Zusammenhang ein Lob. Konami hing bei Präsentation und Engine immer ein bisschen hinterher. Altbacken könnte man sagen. Das hat sich geändert.

Interessant fand ich die Tatsache, das wenn man ein Wiederholung abbricht die Bewegungen doch sehr verschwommen aussehen. Ob das nur – weil man selbige anhält – oder tatsächlich immer so aussieht, man es nur nicht merkt, weil sie sich bewegen, kann ich nicht sagen. Fiel mir aber auf. Und euch auf einigen Bildern sicherlich auch.

Menü

So viel Konami auch besser gemacht hat, das Menü bleibt unübersichtlich, altmodisch und überladen. Ob nun der Startscreen, das Taktikbrett oder irgendwelche Menüs, es ist nicht das Beste was PES zu bieten hat.

Das ist nicht neu, aber traurig. Langsam sollte man das doch mitbekommen, das es so nicht schön ist. Manchmal sind es kleine Sachen wie Transparenz, Farbgestaltung oder Schriftart die einem Menü den entscheidenden positiven Eindruck gibt.

Lizenzen

Wer von Pro Evolution Soccer spricht, der spricht auch ziemlich bald von „fehlenden“ Linzenzen. Einige Ligen sind meist komplett, andere Mannschaften sind verfremdet und die Namen der Spieler ebenfalls abgewandelt. Andere Teams fehlen. So war es bisher. Aber diesmal hat Konami weniger „Glück“ gehabt.

Es gibt ein paar Ligen, einige Mannschaften haben willkürliche Namen und Logos, die Spieler, haben nichts mit den Originallen zu tun. In dem Fall von Juventus Turin besonders auffällig. Aus der Bundesliga gibt es Leverkusen, Dortmund und Schalke. Das ist sehr ernüchternd.

Das Modding hingegen ist auf der PS4 so einfach wie noch nie, da hilft Konami sicherlich fleißig mit.

Spielmodi

Neben einem Freundschaftsspiel, kann man sich die Europa League, Champions League und die AFC Champions League bestreiten. Die beiden wichtigsten Modis sind „Werde zur Legende“ und „Meisterliga“ .

Bei der „Meisterliga“ bekommt ihr die Möglichkeit ein „Megatrainer“-Posten anzunehmen. Dabei gibt es die Optionen „echter“ Kader oder Standardkader (egal wo man anfängt ist der Kader immer gleich) zu verwenden. Man ist aber nicht nur Trainer, sondern auch Manager und darf selbst die gesamte Mannschaft spielen. Es ist ein bekannter Modus, mit Auf- und Abstieg, Pokal und Länderspielen. Wer den Modus bereits aus älteren Modellen kennt, wird sich sofort zu Recht finden, aber auch nichts wirklich neues finden.

Beim „Werde zur Legende“ Modus beginnst du deine Fußballkarriere. Du darfst die Liga bestimmen, den Klub aber nicht. Je nach Zuordnung sitzt du am Anfang auf der Bank oder startest dann sogar. Du kannst dich dann mit deinem Spiel für mehr Einsatzminuten empfehlen. Sitzt du auf der Bank, kannst du dir das Spiel in 3D oder 2D, in normaler oder etwas beschleunigt anschauen. Ein Überspringen wie bei NBA2K ist nicht möglich. Auch sonst vermisse ich einige Karriereoptionen von NBA2K. Dieser Modus ist teilweise eher langweilig. Die Präsentation unterscheidet sich kaum von dem Meisterliga Modus. Die Hauptthemen sind oft einfach falsch. „Ein frühes Tor“ ist auch gefallen, wenn man in der 70. Minute ein Tor erzielt, das gilt für beide Modis.

Schiedsrichter

Die Schiedsrichter bei PES neigen oft zum sehr kleinlich pfeifen. Was heißt „oft“? Konami hat unterschiedliche Schiedsrichtertypen mit unterschiedlichen Stilen implementiert. Das war früher so und ist es noch heute. So pfeift der eine, nervigerweise fast alles. Der Andere lässt mehr laufen. Ich habe auch schon einen Ellenbogen abbekommen, der Spieler bekam dafür „nur“ gelb.

Was ich aus alten Versionen kannte, habe ich bisher noch nicht gefunden. Und zwar das falsch Pfeifen. Ein Spieler der ein Tor schießt, was aus dem Abseits kommt? Konnte passieren. Ein Tor was nicht gegeben wurde wegen Abseits, was keins war? Konnte ebenfalls passieren. Wie schon gesagt bei PES 2017 habe ich es bisher nicht erlebt, fand ich aber ganz gut, weil realistisch.

Standards

Die Ecken wurden stark verbessert. Offensiv kann man zwischen 4 Angriffsoptionen wählen, wie die Mitspieler in den Strafraum auf den Ball warten bzw. sich bewegen (sollen). Defensiv kann man zwischen Mann- und Raumdeckung wählen.

Der Gegner lernt aber dazu. Immer wieder die gleiche Ecke wird nicht funktionieren. Auch wenn es ein Gegner ist gegen den man noch keine Ecke getreten hat.

Freistöße sind – wie in den letzten Versionen – etwas schwieriger. Ein Tor habe ich bisher nicht schießen können, ein Lattentreffer war das höchste der Gefühle. Aber Gegentor habe ich aus Freistößen bereits etliche erhalten. Ob es an besondere Unfähigkeit liegt, oder eine klare KI-Stärke kann ich nicht sagen, aber auffällig ist es schon.

Die Elfmeter wurden bei – ich würde sagen PES 2010 – versaut. Seitdem habe ich kein Gefühl mehr dafür und schieße in die Wolken. Das ist sehr frustrierend.

Taktik

Beinah wäre ich wutentbrannt Sturm gelaufen. Ich fand die Funktion eine Formation zu editieren und die Position der Spieler zu wählen nicht. Versteckt – wie so oft – gibt es sie aber doch. Und genau das habe ich gemacht. Als Beispiel, hier ein Video:

Wie ihr seht gibt es auch flexible Aufstellungen. Diese bestimmen die Aufstellung zum Spielstart, bei Ballbesitz und ohne Ballsitz. Das ist eine sinnvolle Ergänzung. Dann kann man noch diverse Stile auswählen. Die Möglichkeiten sind groß, aber nicht ganz so groß, wie früher wo man diverse Einstellung von 0 bis 100 einstellen konnte. Wie einen Anfänger ist das eh alles zu viel. Wenn der Anfänger aber mal an die Wand gespielt wurde, wird er sich definitiv ein paar Minuten, mehr Zeit in den Taktikeinstellungen nehmen.

Das Lernen der Gegner ist weiterhin vorhanden. So dass man seine Aufstellung immer wieder ändern muss. Der Gegner entwickelt Lösungen wie deine Aufstellung zu knacken ist.

Langzeitmotivation

Die Langzeitmotivation kann über die Trophies oder die beiden Hauptmodis erreicht werden. Aber das muss man auch wollen. Denn groß Abwechslungsreich ist PES2017 nicht wirklich. Man „verpasst“ nichts, wenn man sagt ich will den oder den Modus spielen und den anderen nicht. Das ist Schade und gerade wenn man NBA2K kennt, eine kleine Enttäuschung.

Mein Senf

Pro Evolution Soccer ist und bleibt das was es ist. Es gibt immer wieder kleine High- oder Lowlights, aber man weiß genau was einem geboten wird. Taktik ist das wichtigste Mittel. Die Grafik hat mich manchmal an FIFA erinnert, das ist prinzipiell nichts schlechtes. Manchmal habe ich gedacht: „Mensch ist FIFA gut geworden“. Aber nein, es ist ein PES. Ein PES wie es schon „immer“ war.

Aber mir fehlt die wirkliche Weiterentwicklung. Pro Evolution Soccer ist ein kleines Stück von etwas richtig Gutem entfernt. Das aber nun schon seit Jahren. Ich würde mir mehr Wut und eine deutlich bessere Präsentation wünschen. Bis dahin macht ihr mit Pro Evolution Soccer 2017 nichts falsch.

Getestet habe ich die digitale Version auf der Playstation 4 Ultimate Player 1TB Edition. Mehr Videos zu PES 2017 gibt es auf meinen YouTube Kanal.

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