Diversität ist in den letzten Jahren das Thema. Nicht nur in Comics. Wie eine Welle schwappt es über uns alle und wir bekommen es in jeder erdenklichen Form damit zu tun. Was dafür gedacht war, eine Gleichberechtigung in allen Bereichen zu erreichen, ist oft nur Alibi. Was ist Diversität? Wo kommt es her? Und vergrault es Leser, wenn die Comichelden plötzlich „anders“ sind?

Diversität?

Das Wort Diversität – oder im englischen Diversity – beschreibt die Unterschiedslosigkeit bzw. Vielfältigkeit. In der heutigen Berufswelt werden Menschen häufiger oder besonders bewusst eingestellt, wenn sie eine andere Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft haben. Das begann bereits vor knapp 10 Jahren, als in Deutschland die „Pflicht“ ein Foto in einen Lebenslauf bei Bewerbung mitzuschicken wegfiel. „Damals“ war es so dass diese Diversität dazu geführt hat, das man eben nicht eingestellt wurde, wenn man „anders“ war. Die Vorteile können natürlich auf der Hand liegen. Das Unternehmen kann über eine potenziell andere Zielgruppe Informationen abfangen. Das hängt natürlich vom Tätigkeitfeld ab, hat aber Vorteile. Zum Nachteil wird es aber wenn die Diversität das Einstellungskriterium wird. Ein Beispiel: 2 Bewerber bewerben sich auf eine Stelle. Der Ene ist weiß und männlich, der Andere Bewerber ist weiblich, schwarz und kommt gebürtig aus dem Ausland. Laut Lebenslauf und vom Auftreten passt Bewerber 1 besser, man nimmt aber Bewerber 2, wegen der Diversität.

Das ist kein Witz und wird heute oft so gehandhabt. Nicht falsch verstehen, ich mag Diversität, aber sie sollte nicht alles überlagern. Genauer sieht es heute oft so aus, das aus der Gleichberechtigung, ein Dysbalance wird, die in das genaue Gegenteil kippt.

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Diversität in Comics

Kommen wir zum eigentlichen Thema. Die Diversität in Comics. Wie ich darauf komme? Aus 2 Gründen. Der erste Grund ist Ms. Marvel. Diese habe ich vor kurzem wieder gelesen und fand sie Klasse. Das Konzept der Diversität in Comics hat hier funktioniert, obwohl es stark ausgeprägt ist. Zweiter Grund: ich höre aktuell den Comic Podcast Paperback und da wurde gesagt das Marvel tüchtig auf die Fresse geflogen ist, mit dem Thema Diversität. Die Hosts der Sendung fanden das es sich Marvel zu einfach macht und hatten die Befürchtung das der Comic Leser doch zu verbohrt ist. Ich würde so weit gehen: Marvel hat Recht!

Aber warum hat Marvel mit der Aussage recht, das die Diversität für schlechtere Comicverkäufe sorgt? Weil sie es übertrieben haben und es immer noch viele gibt die ein Problem mit Ausländern und „Andersartigen“ haben (warum auch immer). So hat Marvel nicht nur Ms. Marvel – ein weiblicher Teenager, mit Muslimischen Glauben – umgeschrieben, nein man hat Thor weiblich gemacht, Spider-Man ist schwarz und Iron Heart eine weibliche schwarze Iron Man. Dezenter wäre hier besser. Es müssen nicht alle Superhelden weiß und männlich sein. Auch nicht der Großteil. Aber das waren sie ursprünglich erst einmal. Also sollte man nicht alles auf einmal ändern. Schritt für Schritt wäre hier die bessere Lösung gewesen.

Der Populismus greift aktuell in der Ganzen westlichen Welt um sich und da sind halt alle „anderen“ die schlechten. So gut Ms. Marvel ist, so lustig ich die Herkunft und den Glauben inszeniert finde, so viele Leser – gerade in den USA – hat Marvel verloren, weil sie eine Muslima ist.

Verkaufen sich deswegen Marvel Comics schlechter?

Wahrscheinlich nicht (nur). Viele Comic Leser gehen nach Erfahrungen, Berichten, Coverdesign, Zeichenstil oder sogar bekannte Namen von Autoren oder Zeichnern. Wer oder was der Held ist, spielt (sicherlich) – ich kann nicht für alle Sprechen – eine untergeordnete Rolle. Schließlich gab es schon früh Außerirdische und andere Sonderlinge in Comics. Aber man muss eins wissen, diese Analyse hat Marvel in den USA gemacht, also darf man nicht den Fehler machen, diese Aussagen mit den Eigenen oder den Werten des Umfelds, in einen Topf zu werfen. Die US-Amerikaner ticken anders. Gerade in Texas – in dem Land wo noch immer die Konföderierten-Flagge gehisst wird – ist „Rechtssein“ Inn. Ob die zu den großen Comic Lesern zählen weiß ich hingegen nicht.

Das Land ist viel größer als man es sich hier vorstellen kann und es gibt nicht „den US-Amerikaner“. Sie unterscheiden sich nicht nur untereinander, sondern auch im Vergleich zu den Europäern. Bei uns steckt das Thema Diversität noch in den Kinderschuhen. Es ist in den USA deutlich größer und das in einem Land, in dem die Diskriminierung von Andersartigkeit deutlich höher ist und es mehr Diversität gibt. So gibt es in Deutschland relativ schnell beim Thema Diversität den Stempel „Ausländer“. In den USA sind das aber oft Einwohner, „echte Amerikaner“.

Des Weiteren hat man die Comichändler gefragt, nicht die Leser. Diese haben sicherlich unterschiedlichen Kontakt zu den Kunden. Auch Meinungen einiger Händler kann so stärker durchschlagen, als die des Kundens. Für viele kann es nur „einen“ xyz Held geben. Für mich zum Beispiel ist Barry Allen der FLASH schlechthin. Also muss der „neue“ erst einmal gegen den alten bestehen. Dabei fallen jede Macke noch mehr auf, man will ja seinen eigenen höher loben. Auf der anderen Seite fördert man mit dem ändern eines Helden, die Chance neue Leser zu gewinnen.

Weibliche, Religiöse und anders farbige Helden?

Comics – gerade die amerikanische Kunstform – ist geprägt von weißen Männern. Sogar die Außerirdischen sind weiß. Wenn mal eine Religion zum Tragen kommt, ist der Held ein Christ. Dazu kommt das die Leserschaft überwiegend männlich und weiß ist. Das alles ändert sich, sind aber am Ende immer noch die Bestandskunden. Diese möchte man nicht verlieren. Aber auch etwas Diversität zeigen. So ist es für einen Autor durchaus interessanter auch mal eine andere Erzählung zu zeigen und nicht immer nur den Einheitsbrei zu servieren.

Denn diese unterschiedlichen Menschen können auch ganz andere Geschichten erzählen. Auch wenn man immer vom gleich sein und Gleichberechtigung spricht, nicht alles sollte homogenisiert werden. Die Unterschiede sind wichtig und machen es erst interessant. Wenn schon in der knappen Einleitung von Helden, nicht ihre Art, sondern ihre Herkunft beschrieben wird, ist für mich einiges verkehrt gelaufen. Also „Simon Baz (Green Lantern) guter leidenschaftlicher Typ, mit einer hohen Willenskraft“ wäre mein Vorschlag. In Band 1 der Green Lanterns Rebirth (ja das ist DC, nicht Marvel) steht folgendes: „Der Amerikaner mit libanesischen Wurzeln[..]„. Es darf und muss im Comic thematisiert werden, aber nicht bei der Beschreibung des Helden. Man möchte doch diese Unterschiede zeigen, aber nicht dem Leser aufdrücken.

Die Häufung

Ich finde die bisherigen „Diversity“ -Bände – allen voran Ms. Marvel – richtig gut. Aber muss jetzt jeder Held gegen ein diversifizierte Version ausgetauscht werden? Schaut man sich bei Marvel um, staunt man nicht schlecht wie sich alles verändert. Bei DC ist das Duo von Green Lanterns Rebirth der Inbegriff der Diversitäts-Keule. Man könnte meinen der Autor hat sich mit dem Verlag unterhalten und dieser hat ihn erst aus dem Raum gelassen, bis er Mann und Frau, Ausländer, nicht weiße Hautfarbe und am besten noch eine „andere“ Religion erdacht hat. Das ist mir zu viel. Und das obwohl ich eigentlich damit überhaupt kein Problem habe. Man stelle sich vor, ich hätte etwas dagegen, die ganze Branche wäre doch für mich fast uninteressant.

Nicht falsch verstehen, ich mag die Green Lanterns Rebirth Bände und finde auch die beiden „neuen“ gut. Aber muss man die Diversität den Lesern immer direkt ins Gesicht drücken? Muss man aus einem Amerikanischen Abziehbild Hal Jordan – der Flieger, Patriot, weißer Mann – so stark Diversität auf das Cover schreiben? Ist man erst mal im Band und in der Geschichte drin, macht es keinen Unterschied, aber bis dahin kommen viele Leser gar nicht.

Mein Senf

Die Welt muss sich – auch bei den Comics – langsam einpendeln. Während früher alles weiß gewaschen war, versucht man sich heute an „zu viel“ Diversität. Marvel wird nach diesem Händlermeeting sicherlich einige Helden „sterben“ lassen. Andere Helden werden den Schnitt überleben. Was ich nicht hoffe ist das Marvel einfach alle streicht und ein Marvel Rebirth mit den ursprünglichen Helden auflegt. Warum? Weil man damit den neuen Helden keine Chance gibt und den Leuten die am lautesten schreien ihren Willen gibt.

Es wird immer – gerade in einer Landschaft, wie der Comics – Leute geben die mit allen möglichen unzufrieden sind. Zu groß ist die Leidenschaft, zu wichtig sind die Comics und die lieb gewonnen Helden. Mir doch egal das Batman schon über 90 sein müsste (wenn er mit knapp 20 die Verbrechensbekämpfung angefangen hat).

Hier in Deutschland ist es bei Comics (glaube ich) kein so großes Thema. Die Comicleser sind treu und kaufen alles was halbwegs interessant ist. Da sind wir weiter als die USA. Wir werden aber nicht gefragt 😉 .

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Veröffentlicht von Vincisblog

Softwaretester, Technikaffin, Comicnerd und vieles mehr. Gerne auch etwas kleinkariert.

One Comment

  1. […] Wieder ein Sprung zur Erwachsenen Kara. Diese arbeitet mittlerweile in National City bei dem Medienunternehmen CatCo als Chefsekretärin. Frisch aus Metropolis wird Jimmy Olsen eingestellt. Sorry aber das ist aus Comic–Sicht eine absolute Besetzungskatastrophe. Der schüchterne, schwächliche Jimmy wird in der Serie, als großer, durchtrainierter, selbstbewusster, schwarzer Mann eingeführt. Da klingeln bei mir alle Diversity Alarmglocken. […]

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