[Test] Ōura Ring 4 – Langzeitreview

Reviews können später ganz anders wirken, wenn die Realität die Produkte eingeholt hat. Probleme tauchen auf, Gewohnheiten schleifen sich ein und Sichtweisen ändern sich. Wie sieht es bei dem Ōura Ring 4 nach mehr als 6 Monaten aus?

Athletic + Nutzung

Im Review habe ich von der Nutzung der App Athletic gesprochen. Zur Erinnerung: Es handelt sich dabei um eine App im Abo-Modell, die die Daten – wo auch immer sie herkommen – aufbereitet und in verständliche Anzeigen übersetzt. Angelehnt ist die App stark an Whoop.

Vor Ōura und auch zum Start war sie fester Bestandteil meiner Routine. Mittlerweile nutze ich sie gar nicht mehr. Einzige Ausnahme war eine unerklärbare Schlappheit. Was ist passiert? Ich habe regelmäßig und ausreichend geschlafen, hatte einen tollen Tagesform-Score und dennoch fühlte ich mich schlapp – nicht müde.

Athletic hat den Eindruck bestätigt: alles gut. Also konnte ich dieses Rätsel nicht lösen. Der Eindruck, den mir die Ōura-App gibt, bestätigt Athletic. Also gibt es für die App keinen Bedarf mehr. Mit dem Ōura-Abo (69,99 €) kann ich mir das Athletic-Abo (31,99 €) „sparen“. Die App habe ich deabonniert und nicht mehr installiert.

Schlaf & Resilienz

Als die erste Begeisterung nachgelassen hatte, habe ich die App zwar regelmäßig genutzt, aber nicht mehr aktiv etwas verändert. Meine Werte gingen aber nach unten, vor allem Resilienz: Aus „hervorragend“ wurde „ausreichend“ (3 Stufen tiefer).

Meine erste Vermutung: Viel Stress, wenig Urlaub und Erholung, wird schon stimmen und ist kaum veränderbar. Dann habe ich mir gedacht: Geh doch einfach eher ins Bett. Zum Leidwesen meines Lesestapels und der vielen offenen Serien, bin ich knapp eine Stunde eher ins Bett gegangen (die Bettroutine blieb aber unverändert: Bettfertigmachen, Zähneputzen und ein bis zwei Kapitel lesen).

Die Folge? Ich war erholter, frischer, und meine Resilienzwerte stiegen und stiegen. Ende Juli war ich wieder bei Stark (eine Stufe tiefer). Aber auch da muss man sagen: Die Vermutungen von oben waren ja nicht falsch. Viel Vorbereiten, wenig Urlaub, laugt aus.

Und dann kam ein kleines Kind in unseren Haushalt und die Resilienz fiel rapide ab, bis sie nur noch bei „ausreichend“ war. Wichtig dabei: Sie fiel nicht sofort und auch nicht schnell, sondern langsam. Knapp einen Monat nach der Geburt war der Tiefpunkt erreicht und ja, ich fühlte mich auch weniger gewappnet für Veränderungen und Probleme (die Definition von Resilienz).

Mit der Zeit wurde ich nicht nur sicherer im Umgang mit meinem Kind, sondern mein Wert für Resilienz stieg wieder. Ebenfalls langsam, aber regelmäßig. Das ist genau das, was ich von einem Health-Tracker erwarte. Realistische Veränderung.

Herzgesundheit

Die Herzgesundheit bzw. das kardiovaskuläre Alter war da etwas anders gestrickt. Der Ring begann mit einem 5,5 Jahre jüngeren Herz. Nach knapp 2 Monaten war es nur noch 2 Jahre jünger. Ging dann wieder auf 5,5 Jahre und schwankt nun um die 3,5 bis 4 Jahre jünger.

Das ist etwas viel Schwankung für mich, und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, was mir dieser Wert überhaupt sagen soll. Ich finde ihn meistens demotivierend. Oder wer empfindet es als gut, wenn man plötzlich 3 Jahre älter wird?

Das hat Ōura scheinbar gemerkt, sie haben die Funktion nach dem Redesign komplett versteckt. Anstatt wie zuvor auf der Startseite muss man inzwischen auf „Gesundheit“ klicken und dann auf „Herzgesundheit“. So sieht man den schwankenden Wert nicht mehr so oft.

Akku

Nach dem Desaster mit meinem ersten smarten Ring ist der Akku ein wichtiges Thema und das macht Ōura herausragend. Ich werde knapp einen Tag vor dem Ende informiert und muss dann nur einen Slot finden, um den Ring zu laden. Das Laden geht weiterhin okay schnell.

Dass der Ring einfach so ausging oder sich nicht gemeldet hat – egal, ob App geöffnet oder nicht – ist nie passiert. Vielleicht ist dazu der Testzeitraum noch immer zu kurz, aber das Ergebnis gefällt mir und sorgt für deutlich höhere Entspannung. Keine Angst vor dem Akkutod.

Auch wenn Ōura eine Woche nicht schafft und in der Summe einen ähnlichen Wert erreicht wie mein vorheriger Ring (der 2 Tage mit der Zeit an Dauer verloren und es mir nie mitgeteilt hat). Etwas länger, noch besser sogar eine Woche, wäre mir ganz recht. So könnte man immer an einem festen Tag laden.

Geladen wird an meinem Arbeitsplatz, und deswegen ist mir unter der Woche lieber. Nach einer knappen Stunde ist der Ring geladen. Auch mal kurz 10–20 Minuten für ein bis zwei weitere Stunden ist möglich und habe ich in Ausnahmefällen auch gemacht.

Angebote + Empfehlungen

Wer jemanden kennt, der einen Ōura-Ring hat – und auch Mitglied ist – kann sich ein paar Euro beim Kauf sparen. Ein spezieller Link kann bis zu fünfmal pro Jahr geteilt und verwendet werden. Aber eine viel bessere Option kam sehr überraschend.

Bei Amazon gab es den Ōura Ring 4 diverse Male bereits im Angebot. Dabei kann man richtig viel – und mehr als über die Empfehlung – sparen. Also, wenn ihr warten könnt, wartet auf Prime Deals, Black Friday, Cyber Monday oder wie auch immer die Deals heißen.

Kratzer

Mein Ring hat sehr viele „Erinnerungen“ gesammelt. Manchmal merke ich selbst, dass Gartenarbeit an Steinen mit einem Ring nicht clever ist, und manchmal schaue ich überrascht auf den Ring und finde neue Kratzer. In der Form habe ich nicht damit gerechnet.

Die Kratzer sind nicht supertief, aber sie sind da und sichtbar. Gerade die silberne Variante sollte eigentlich gnädiger sein, was leider nicht der Fall ist. Von Weitem – oder aus Abstand – sieht man es wahrscheinlich nicht. Wenn Zerkratzung erwartbar ist, ziehe ich ein Gummi an – sicher ist sicher 😜.

Symptommelder

Einige Berichte – nicht nur von Ōura, sondern auch von anderen Health Trackern – sprachen von der Früherkennung von Krankheiten, die dazu führen, dass man langsamer macht, sich erholt und vorbereitet ist. Für mich klappt dies mit Ōura bedauerlicherweise nicht.

Meist bin ich schon ein paar Tage krank und dann meldet der Ring, dass eine Krankheit vorliegen könnte. Auch der Verlauf ist oft anders. Ich fühlte mich am größten Ausschlag nicht immer am krankesten und manchmal war der Symptommelder aus und ich noch krank.

Bei meiner Frau – die mittlerweile auch einen Ring 4 hat – klappt es hingegen. Sie hatte erst hohe Symptome und erst dann spürte sie etwas. Woran das liegt? Ich weiß nicht, aber für mich funktioniert es nicht wie gewünscht. Eine Bestätigung und ein Meiden von Sport sind dennoch die Folge.

Neues Design

Ich habe extra lange mit dem Bericht gewartet und endlich ist das „neue“ Layout für die App da. Vorher war die App ein Grund, warum ich mich gegen Ōura entschieden habe. Es war nicht modern und vor allem eine Wand voller Text. Wo soll man da zuerst hinschauen?

Das hat sich nur leicht geändert. Menschen, die keine Veränderungen mögen, finden zu viel Veränderung, und Leute, die Veränderungen mögen, sehen wenig Unterschiede. Die App sieht moderner aus, aber ist bislang nicht so modern, wie ich es gerne hätte. Auch Liquid Glass oder ein anderes bekanntes Design sucht man vergebens.

Jahresrückblick

Seit einiger Zeit gibt es bei diversen Medien Jahresrückblicke. Damit meine ich nicht, was in der Welt vorgefallen ist, sondern was hast du konsumiert, gemacht oder gemocht. Genau so eine Funktion hat auch Ōura herausgehauen, das ist eventuell wertvoller als: Welche Musik habe ich wann am liebsten gehört?

Dabei sind „dein Element“; der Verlauf von Tagesform, Schlaf und Aktivität; eine Übersicht über die Schlafphasen; Stress und Erholungsphasen; Resilienz; Schritte und das kardiovaskuläre Alter. Alles schön aufbereitet. Hat mir gefallen.

Aktuelle Nutzung

Meine aktuelle Nutzung beginnt mit der Nichtnutzung von anderen Dingen. Es gibt nur noch Ōura für mich. Mit kleinen Ausnahmen Apple Health/Fitness. Das ist zum einen der Schlafindex, der nun auch von Apple kommt und mir nur ein müdes Lächeln ins Gesicht bringt – denn ich schlafe immer gut, auch mit kleinem Kind, toller Witz.

Die andere Funktion ist natürlich das Tracking von Sport und das Schließen der Ringe, was ich aber eher „hinnehme“, als aktiv darauf hinzuarbeiten. Ansonsten ist Ōura meine Go-to-App. Der erste Blick geschieht in den ersten wachen Stunden des Tages. Wie habe ich geschlafen, wie ist mein Tageswert?

Wenn mir die App sagt, mach heute keinen Sport, mache ich das auch nicht. Ansonsten mache ich alle zwei Tage Sport, egal ob der Wert heute sehr hoch oder nur okay ist. Über den Tag denke ich manchmal dran und schaue in die App. Gerade die Erkennung von Aktivitäten wie Gartenarbeit und Hausarbeit funktioniert hier gut (also nicht, was man tut, sondern dass man etwas tut).

So kann ein vermeintlich fauler Tag, doch zu hoher Aktivität führen. Ansonsten halte ich Werte im Blick. Wie viel Schlafschulden habe ich? Wie lange habe ich geschlafen? Oder wie entwickelt sich meine Resilienz? Besonders relevant ist die App, wenn ich mich unwohl fühle und einen Tipp brauche. Zuletzt habe ich mit Atemübungen und Meditation ein Problem lösen können.

Fazit

Ich habe mich für diese regelmäßigen Prüfungen entschieden, da es mir guttut, noch einmal zu schauen, wofür ich Apps und Geräte verwende. Euch als Lesende ist es nur eine feine Sache, mehr zu erfahren. Manchmal sinkt meine Zufriedenheit und niemand weiß es. Im schlimmsten Fall entstehen Fälle wie mit dem RingConn und Leute kaufen wegen meiner Worte den Ring, der gar nicht gut ist.

Health-Tracker sind weiterhin ein spannender, aber auch spezieller Markt. Sie liefern tolle Einsichten, sind aber auf Dauer nicht so hilfreich, wie man meinen könnte. Dennoch gewöhnt man sich an diese Informationen. Gerade ein Verlauf und – natürlich – der Schlaf sind für mich essenziell.

Ohne Ōura könnte ich auch aus dem Fenster schauen und raten, wie die Nacht war. Der Ring hat seinen Preis, das Abo ist recht teuer, aber das Gesamtkonstrukt funktioniert ausgezeichnet. Von mir weiterhin ein Tipp und ein wertvolles Produkt.

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