Ein Tag ohne Smartphone

Mit diesem Vorschlag ist im Laufe der Woche, meine Verlobte auf mich zugekommen. Die Aufgabe klingt zwischen „Absolut machbar“ und „Unmöglich“. Mal tendiert man mehr zu der einen, mal mehr zu der anderen Aussage. Wie verlief der Tag? Und wie war der Tag danach?

Voraussetzung

Meine erste Reaktion war ziemlich klar: „Nein, das mach ich nicht“. Nach ein paar Überredungskünsten, entschied ich mich für ein „Ja, aber…“. Ich packte noch eine kleine Ausnahme mit rein. 3 mal am Tag, wollte ich Simpsons: Springfield spielen (ist mal wieder ein Event und Lucius Sweet wollte ich mir nicht entgehen lassen). Als Alternative hätte ich es auch auf dem Tablet – ganz legal, ohne gegen irgendwelche Bedingungen zu verstoßen – installieren können, also Aufgabe trotzdem angenommen.

Ein (fast) normaler Tag

Anstatt die Vor- und Nachteile einzeln aufzulisten, habe ich mich für eine Tagesverlauf ähnliche Variante entschieden, viel Spaß damit.

Der Morgen hätte sein können wie jeder andere. Aufwachen und kurz auf dem Nachttisch das Smartphone geholt und geschaut was über Nacht passiert ist, denkste! Das war an diesem Samstag einfach nicht drin. Also war der „normale“ Prozess gestört. Nach dem Aufstehen nahm ich mein Smartphone und startet explizit Simpsons, sonst nichts. Danach wanderte das Smartphone in die Schublade. Keine Benachrichtigung geprüft, keine Nachrichten gelesen, nichts.

Interessant war dann das Frühstück. Da meine Verlobte ebenfalls auf das Smartphone verzichtet hatte – was ja das Minimum sein sollte, wenn man so etwas vorschlägt 🙂 – konnten wir ohne Störung uns unterhalten. Weder eine Benachrichtigung noch ein anderer „wichtiger“ Blick auf das Smartphone lenkte ab. Bis dahin, war es nicht sonderlich „schwer“.

Danach waren wir shoppen. Bis wir irgendwann uns fragten „wie spät ist es eigentlich?“.  Wir hatten keine Uhr mit, kein Smartphone, nichts. Unschön. An dieses Szenario habe ich gar nicht gedacht, obwohl es so offensichtlich ist. Kurz darauf ging es in einen Buchladen. Ich fand ein ziemlich interessantes Buch, meine erste Reaktion, mal schauen wie es bei den Lesern ankommt. Natürlich ist so etwas nicht möglich, ohne Smartphone konnte ich keine Bewertungen einholen. Alternative: Vormerken, aber wie? Stift und Zettel habe ich nie bei mir, das Smartphone liegt zuhause im Schrank. Also kam das was zu erwarten war, ich habe den Buchtitel vergessen.

Dann haben wir noch Lebensmittel gekauft. Gut das wir einen Kassenzettel bekommen haben! Sonst könnte ich nicht, meine Ausgaben vermerken können, natürlich erst nach dem Tag ohne Smartphone. Aber wir konnten das Problem mit der Uhrzeit lösen. Denn auf dem Kassenzettel ist oft die Uhrzeit abgedruckt. Trotz allem, die Momente in dem ich mein Smartphone vermisste, nahmen zu.

Zu Hause angekommen folgt Simpsons Sitzung 2. Wieder komplett abgeschottet. Später am Tag hatten wir einen Termin, also mussten wir doch unsere Anrufe grob checken, ohne geht dann doch nicht. Wieder später, gingen wir getrennt zu einem Lokal. Wenn wir uns jetzt verpassen, wird das Wiederfinden schwer. Positiv war hingegen das man nie um sich schauen musste, wenn man aufstand, ein Telefon vergessen, konnte man ja nicht.

Es gab ein paar langweiligere Momente, denn das Smartphone ist auch ein gutes Gerät um sich abzulenken beziehungsweise zu unterhalten. Gut dass ich noch ein paar Comics und die FIVE da hatte. Sonst, wäre mir wohl ziemlich langweilig geworden.

Am Abend stellt ich erschrocken fest: ich habe meine OFM Mannschaften gar nicht betreut, wie die NBA gespielt hat, ist mir auch nicht bekannt und überhaupt ist etwas in der Welt passiert? Suchterscheinungen waren dann langsam auch zu spüren. Aber nicht das ich gezittert hätte oder mir die Haare ausgerissen hätte, es war eher die schreckliche Ungewissheit irgendwas zu verpassen. Was wenn jemand mich dringend erreichen müsste? Gut das meine Telefon für mich nicht hörbar verstaut war. Das ständige vibrieren und klingeln hätte mich wohl noch mehr irre gemacht. Es gab auch mal eine Studie die besagte, es ist für den Körper ein großer Stress eine Benachrichtigung zu bekommen und nicht lesen zu dürfen, als wenn man kurz drauf schaut. Diese Studie geisterte in diesem Moment, mehrmals durch meinen Kopf.

Später folgte dann ein Film, auf denn wir uns komplett konzentrieren konnten. Keine Ablenkung und somit ein „reiner“ Filmgenuss. War mal wieder was feines, auch wenn ich bei anspruchsvolleren Filmen, eher selten dem Telefon Zeit widme. Dann folgte noch Runde 3 bei den Simpsons.

Der nächste Tag

Frisch aufgewacht hieß es: „Hat mich jemand vermisst?“, „Ist die Welt ohne mich zusammen gestürzt?“. Kurz zusammengefasst: Nein! Lange Antwort: Die Welt drehte sich weiter, gefühlt hat man sich gequält, aber mitbekommen hat die Abstinenz niemand. Außer die NBA Ergebnisse, die ich dann nachholen musste, war es sehr viel ernüchternder als gedacht.

Wenn ich ins Fitnessstudio, auf Arbeit gegangen wäre oder es ein „normalerer“ Tag gewesen wäre, wäre es aber schwerer gewesen. Keine Musik, kein Podcast und auch kein Blog. Ja auch kein Blog. Denn ich habe auch auf Tablets und Rechner verzichtet. Bei vielen Artikeln muss ich auch recherchieren um ein bisschen Qualität in die einzelnen Beiträge zu bekommen, das würde alles flach fallen.

Mein Senf

War es schlimm? Nein! Würde ich es wieder machen? Nein! Man hat viele Vorteile durch Smartphones, und diesen Vorteil „aufzugeben“, wäre ziemlich dumm. Aber ich empfehle euch trotzdem, ein mal den Selbsttest zu machen. Es ist eine Interessante Erfahrung, die einem nochmal, einen anderen Blick auf das Nutzungsverhalten eines solchen technischen Gerät aufzeigt.

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