Manchmal sind die Dinge komplex, komisch und ganz anders, als man denkt. Aus dem Paper Pro (oder reMarkable 2) ist der Kindle Scribe geworden, aus einer Konkurrenz, ein Gewinner, und plötzlich war da der Move. Und dann? Dann kam alles anders.
Einleitung
Der Start war unklar? Also etwas detaillierter. Als ich auf der Suche nach meinem Papertablet war, war reMarkable meine erste Wahl. Dann wurde der Paper Pro vorgestellt und ich war noch mehr angetan. Entschieden habe ich mich aus finanziellen Gründen für den Kindle Scribe. Dieser war Klasse.
Der Paper Pro blieb im Kopf. Ein überraschendes Geschenk später war er gut, aber etwas stimmte nicht. Im Kampf gegen den Scribe verlor der Paper Pro und ging zurück zum Hersteller. Der Paper Pro Move kam, sah und siegte. Aber der Paper Pro blieb im Kopf.

Da mir der Move so gut gefiel und auf dem Papier das Display gleich sein müsste, probierte ich das Ganze noch einmal mit dem Paper Pro – ein letztes Mal. Und ich kann euch sagen: Dieses Mal ist das Gerät PERFEKT! Endlich will ich sagen, und muss ich sagen. Aber wie verhält es sich untereinander? Wie schlägt sich die Kombination? Welches Gerät würde ich euch mehr empfehlen?
Kein Vergleich
Bei allen Unterschieden, gibt es auch einiges, was gleich ist. Das Menü ist größtenteils gleich, die Performance ist gleich, das Design ist fast identisch – außer die Rückseite und die Dicke. In beiden Punkten schneidet der Move „schlechter“ ab. Er ist dicker und die Rückseite ist aus Plastik anstatt aus Aluminium.

Der Stift ist nicht nur gleich, er kann auch ohne Probleme getauscht werden – sogar ohne eine neue Verbindung aufzubauen. Das Display ist nahezu gleich – die Größe ist anders und die PPI sind beim Move etwas höher. Natürlich gibt es Displayprobleme beim Pro, die verschwiegen werden. Wenn ihr ein neues Pro bekommt, sind sie gleich.
Die Farbe ist identisch, die Updates sind die gleichen, das Connect Abo ist gleich und der Akku ist ziemlich ähnlich mit knapp 1–2 Wochen, je nach Nutzung. Also, es sind sehr viele Dinge ähnlich, das hat Vorteile. Man fühlt sich damit meist wohl.
Daily Scribbling
Die Unterschiede versuche ich euch mit Nutzungen darzulegen. Den Anfang macht Daily Scribbling – der Hauptgrund, warum ich überhaupt ein Papertablet wollte. Beide Geräte haben ihre Vorteile und es gibt keinen harten Cut, wie ich am Anfang gedacht hatte.
Der Move hat seine Stärke beim Schnellaufschreiben. Egal wo man ist, kann man ihn zücken und losschreiben. Da das Display kleiner ist, gibt es weniger „Druck“ durch die große weiße Seite, die es zu füllen gilt. Trotzdem ist mir aufgefallen, dass ich bei komplexen Gedanken verkürze und viel über den mangelnden Platz nachdenke.


Ja, man kann scrollen, aber Move – und der Kopf – benötigt Platz. Möchte ich große Themen verarbeiten, ist der Paper Pro nun meine Wahl. Hier kann ich alle Gedanken loslassen, sortieren und zu „Papier“ bringen. Eine Monatsreflexion ist auf dem Paper Pro auch besser, zumal der Move als Spickzettel für die Ereignisse des Monats dienen kann.
Aber geht das überhaupt wegen des Synchronisierens, dass man auf unterschiedlichen Seiten ist? Ja – wenn man nicht das Notizbuch schließt. Öffnet man es auf einem Gerät und schließt es auf dem anderen Gerät, ist man auf dem Gerät genau da, wo man bei dem anderen Gerät zuletzt war.
On the Go or Stay at Home
Beide Geräte werden von mir ganz unterschiedlich genutzt. Der Paper Pro liegt auf dem Schreibtisch, eigentlich immer. Das heißt, beim Arbeiten ist er griffbereit, und wenn ich etwas Großes zerdenken will, muss ich halt zum Schreibtisch. Ein echtes „Purpose-Device“.


Der Move deckt alles andere ab. Nach Feierabend nehme ich ihn in den Wohnbereich. Wenn ich auf die Arbeit gehe, nehme ich ihn mit – auch in Meetings ist der kleine Move viel angenehmer. Wenn es in den Urlaub geht, kommt auch nur der Move mit. Hier heißt es: klare Strukturen und klare Grenzen.
Seitenverhältnis ⚡️
Wenn ihr einen reMarkable (egal welchen) habt und dann den Move dazu nehmt, werdet ihr auf dieses Problem stoßen und es wird euch die Laune versauen. Der Move hat allgemein ein ungewöhnliches Seitenverhältnis. In der Kombination mit einem anderen Gerät wird es richtig wild.
Im gleichen Notizbuch wird beim Move reingezoomt, sodass der linke und rechte Rand weggeschnitten werden. Ist die Seite auf einem anderen Gerät beschrieben worden, wird herausgezoomt und alles wird sehr klein angezeigt. Andersherum hat man links und rechts einen leeren Bereich. Das ist „nur“ ärgerlich.


Bei meinem Kalender-Notizbuch (ausgewählt im Move-Format) wird dann auch noch die Schriftdicke (trotz gleichem Stift, Farbe und Dicke) anders. Beim Habittracker hat sich das Format sogar beim „Umblättern“ geändert. Damit hat reMarkable mehr Probleme als Lösungen geschaffen. Ich hätte bei dieser Software von einem anderen Seitenverhältnis abgeraten.
Eine „Lösung“ ist einfach und sehr effizient: den Move in solchen Notizbüchern einfach im Querformat nutzen. Das ist ziemlich genau die gleiche Breite wie bei den anderen Geräten. Damit gibt es dann kein Seitenverhältnisproblem mehr. Dazu kommen dann aber die schlechtere Handlichkeit und das häufigere Scrollen.
Tagesplanung
Bei meinem ersten Paper Pro habe ich die Tagesplanung sehr genossen. Früh Paper Pro an, Kalender auf, Termine eingetragen, Ziele für den Tag gesetzt und dann ging es los. Nachdem ich mich für einen Abschied entschieden hatte, fehlte es, aber es war okay.
Mit dem Move habe ich es kurz probiert, empfand es aber als weniger nützlich. Durch das Seitenverhältnis – mal wieder – fehlten die nützlichen Dinge wie Prioritäten, Erinnerungen, Notizen und „Für Morgen“. Dinge die auf dem Paper Pro am rechten Rand zu sehen waren. Also, ihr ahnt es, machte ich es auf dem Move nicht mehr.
Mit dem neuen Pro begann ich wieder damit und es gefällt mir noch immer. Ja, ich mache es nicht an jedem Arbeitstag – manchmal ist der Tag offensichtlich verplant oder frei –, aber manchmal, gerade bei vielen Aufgaben, gefällt mir das. Gerade wenn ich Aufgaben abhaken oder als Aufgaben für morgen setzen kann. So vergisst man die Aufgaben für den nächsten Tag nicht und plant sie direkt ein.
Ideen
Ablenkungsfrei und fokussiert arbeiten funktioniert auf Papier oder einem Whiteboard hervorragend. Genau dafür sind Papertablets geeignet. Der Move kann diese Ideen ebenfalls aufnehmen, aber die Größe des Geräts schränkt ein. Für mich heißt es, für ein paar Stichpunkte oder oberflächliches Aufschreiben reicht der Move.

Durch die Platz-Limitierung – was man auf einen Blick sieht, nach unten scrollen oder eine neue Seite geht natürlich auch beim Move – ist der Paper Pro viel besser geeignet. Das können Review-Ideen wie für diesen Artikel sein, aber auch Kaufentscheidungen oder eine Vorbereitung vor einem kritischen Gespräch.
Alle Geräte aus, Kopf und reMarkable an und schon fließen die Ideen. Die Idee zu dieser Ideenfindung klingt logisch, aber sie funktioniert eben nur dann gut, wenn man nicht abgelenkt wird. Für mich ist das (mittlerweile) eine Aufgabe, die nur der Pro erfüllt.
Lesen
Das Lesen von Büchern ist bei reMarkable möglich, aber nicht immer eine Freude. Der Move ist durch das Seitenverhältnis nicht immer gut geeignet, gerade bei PDFs ist das eher ungeschickt. ePUBs hingegen funktionieren zuverlässig. Ich habe „Make Something Wonderful“ von Steve Jobs nach vielen Versuchen auf dem Move ausgelesen.
„Daily Laws“ von Robert Greene lässt sich (weil PDF) besser auf dem Pro lesen. Unterwegs drehe ich den Move ins Querformat. Beim Lesen selbst ist der Move wieder besser, da man den Move in einer Hand leichter halten kann (230g zu 525g sollte man ebenfalls merken).
Read later / Artikel
Was man natürlich auch lesen kann, sind Webseiten oder Artikel. Mit der Chrome-Erweiterung „Read on reMarkable“ kann man Webseiten an den reMarkable senden. Wenn man kein Abo hat oder die Option „EPUB“ wählt, kann man nichts editieren. Abstände und Schriftgröße kann man anpassen und man erhält mehrere Seiten (nach links und rechts scrollen).



Wer das Connect Abo abgeschlossen hat, kann auch „reMarkable notebook“ auswählen. Dann kann man Text und Bilder anpassen. Man hat Platz für eigene Gedanken und das Layout ist anpassbar. Es ist eine Seite zum Nach-unten-Scrollen.
Witzig: Beides hat Vor- und Nachteile. Das hängt auch von dem Inhalt und der Website ab. Bevorzugt lese ich dann tatsächlich auf dem Paper Pro. Das sieht teilweise wie bei einer Zeitung aus. Beeindruckend! Meine Standard-„Read Later“-Funktion ist es aber nicht.
Entweder oder?
Sag mal, wozu benötigt man eigentlich beide? Es kann doch nur einen geben. Wozu benötigt man beide? Ich war mit dem Move fein. Nur die größeren Sachen fielen mir mit dem Move schwerer. Teilweise so schwer, dass ich direkt auf einem Laptop notiert und gedacht habe.

Der Pro hingegen ist ein großes Gerät. Im Büro bzw. zuvor im Rucksack ist wenig Platz. In einem Meetingraum ist der Move perfekt. Einfach in die Hand und losschreiben. Sogar im Urlaub ist der Move die erste Wahl. Damit habt ihr eine Antwort.
Ein Gerät liefert Kompromisse. Entweder zu klein für „große“ Ideen oder zu groß für „kleine“ Reisen. Da beide Geräte teuer sind, würde ich aber nicht sagen, dass sich beide lohnen. Wenn mein erster Paper Pro gut gewesen wäre, hätte ich den Move vielleicht nie probiert und jetzt kommt’s: Ich hätte es wohl überlebt.