Seit sehr vielen Jahren gibt es für mich nur digitale Bücher. Nach einer Irrung bin ich im Kindle-Kosmos gelandet und sehr happy damit. Mein Technikinteresse und meine Bubble haben mich zu einem ganz anderen Gerät gebracht. Darf ich vorstellen: XTeink X4.
Einleitung
Während des Scrollens durch meine Timeline sah ich ein iPhone und den Text: „Game Changer fürs Lesen“. Das iPhone wurde gedreht und auf der Rückseite hing ein schmaler eINK-Reader. Mein erster Gedanke: Geil, mein zweiter: Wenn ich mein Telefon schon in der Hand habe, kann ich auch direkt da lesen. Oder?
Immer häufiger sah ich das Gerät und hatte dann auch einen Namen: XTeink X4. Ich schob es zur Seite und ignorierte es weiter. Dann schaute ich mir Videos an, natürlich nur, um zu wissen, was das Gerät kann, nicht für mich. So der Plan. Und nun sind wir hier.
eBooks
Also dachte ich mir, vielleicht hilft mir Amazon dabei, dass es nicht interessant für mich ist. Denn: Fast alle eBooks habe ich bei Amazon erworben, und Amazon mag gar nicht, dass man die Bücher herunterlädt und auf anderen Geräten bzw. ohne Kindle-App liest. Die Bücher haben einen DRM-Schutz, und deswegen ist dies schwierig.
Ist das überhaupt erlaubt, diesen zu entfernen? JEIN. Es ist kompliziert. Für den privaten Zweck – also genau wie hier beschrieben – ist es okay, aber es ist auch technisch nicht einfach. Ein Buch habe ich umwandeln können, also habe ich die Bestellung ausgelöst, um dann festzustellen: Es gehen sehr wenig Bücher.
Und jetzt? Jetzt kaufe ich die meisten Bücher bei eBook.de – denn hier gibt es einen DRM-Schutz mit einem Wasserzeichen und man kann sie überall lesen. Ausnahmen sind Fachbücher, die möchte ich auf dem Scribe lesen. Der Vorteil ist: Vor dem Kauf weiß ich, welchen Schutz das Buch hat, Amazon sagt dazu leider nichts.
Unboxing
Der XTeink X4 ist ein chinesisches Produkt, also ist das Unboxing voller Dinge. Es gibt – neben dem Gerät – eine Displayfolie, 2 MagSafe-Ringe, eine SD-Karte und ein USB-Ladekabel. Mehr für den Kaufpreis (um die 60 €) bekommt man sicher nicht oft.
In meiner Bestellung gab es Rabatt (wegen Muttertag) und eine gratis Hülle. Es ist in der Summe fast schon zu viel im Paket. Gerade die MagSafe-Ringe sind speziell. Während der XTeink X3 MagSafe hat (andere Nachteile aber auch), sind die Ringe (scheinbar) nötig. Für mich funktioniert es weder mit noch ohne die Ringe am iPhone.
Design
Kommen wir zu dem Punkt, den das XTeink X4 am besten kann bzw. warum es so viele Fans gibt. Kein Quatsch! Es gibt keinen Touchscreen, dafür aber Tasten, zum Blättern und Navigieren. Aber der Reihe nach. Die Front hat einen „dicken“ Bezel, mit etwas Kinn. Darunter sind zwei längliche Knöpfe, die eigentlich 4 sind.
Unten links kann man eine Schlaufe einfädeln. Links gibt es einen USB-Typ-C-Anschluss zum Laden oder für die Datenübertragung. Auf der rechten Seite gibt es einen Powerbutton, eine Wippe (eine Taste, die auch wie 2 Tasten funktioniert), einen Resetbutton und einen SD-Kartenslot.
Auch wenn alles aus Plastik ist, fühlt sich das Gerät gut an, das kann bei dem Preis auch ganz anders sein. Es ist von der Verarbeitung wie ein „normales“ Smartphone, ein Gefühl, das einigen sicher gefallen dürfte und vielleicht sogar sehr wichtig ist. Ich hörte in Berichten von: „Es fühlt sich wie ein Smartphone an.“
Display
eINK-Displays sollten besonders durch Schwarzwerte und das Gefühl von „Wie gedruckt“ glänzen können. Und genau das ist eine Stärke des XTeink X4. Es lässt sich gut lesen, auch aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Schwarz ist satt, der Hintergrund hell, sodass es sich gut abhebt.
Für den Preis muss man Abstriche machen und das ist in dem Fall die Hintergrundbeleuchtung. Diese würde bei dem Preis eher direkt sein und dann mehr stören als helfen. Also eine logische Entscheidung, sie wegzulassen. Ich hatte zu Beginn meine Bedenken, ob das für mich okay ist.
Zum Start gefiel mir das Gerät so gut, dass ich in der Nacht – und jetzt kommt der Quatsch – mit meinem Handy die Taschenlampe angemacht hatte, um etwas zu lesen. Das hat sich wieder gelegt, ist aber am Sinn vorbei. Soll heißen: Ein bisschen vermisse ich die Funktionalität schon.
Knöpfe
Die andere Umgewöhnung ist der fehlende Touchscreen. Da ist es nur die Gewohnheit, die stört. Denn die vielen Tasten machen das Gerät besser als viele Konkurrenzprodukte. Unten gibt es 2 Wippen mit jeweils 2 Tasten. Egal welche Software man hat, kann man sie individuell verändern.
Standardmäßig ist links die Zurücktaste, rechts auf der linken Wippe das Bestätigen – unter anderem Menü, nächster Unterpunkt oder Auswahl. Die linke Taste der rechten Wippe ist vorherige Seite oder im Menü hoch. Die rechte Taste ist die nächste Seite oder im Menü runter.
Auf der rechten Seite gibt es den Powerbutton, ebenfalls eine Wippe, die der rechten Wippe auf der Front entspricht, und einen Resetknopf. Die Knöpfe sind clever platziert, sodass man ohne Probleme das Gerät einhändig bedienen kann. Die Größe hilft, aber die Knöpfe sind der Hauptgrund.
Interessant ist noch, dass die Knöpfe ein Feedback-Geräusch von sich geben. Die Seitentasten klingen etwas anders. Also je nach Raumsituation ist es besser, die Seitentaste oder die untere Taste zum Blättern zu verwenden. Der Widerstand ist gut.
Software – Standard
Wer im Internet auf den XTeink stößt, wird eigentlich immer von anderer Software hören. Aber kurz wollte ich mir die Standardsoftware anschauen. Als Erstes ist es gar nicht so schlecht. Es gibt einige Einstellungen. Das Design besteht aus großen Kacheln. Wichtig für europäische Kunden ist, dass man lieber bei XTeink selbst kauft und nicht bei AliExpress.
AliExpress kann günstiger sein, aber die Software hat andere Sprachoptionen und ist manchmal gesperrt, sodass man kein anderes Betriebssystem installieren kann – zumindest nicht ohne Weiteres. Warum will man es überhaupt ändern? Anpassbarkeit und die Darstellung von Zeichen sind manchmal krumm. Das Schriftbild ist manchmal unschön, mit Lücken und Fehlern bei Sonderzeichen.
Software – CrossPoint/CrossInk
Alle sprechen online von CrossPoint und CrossInk. Um CrossPoint zu installieren, benötigt man einen freigeschalteten XTeink. Dann schließt man das Gerät an einen Rechner und öffnet im Google Chrome Browser (andere scheinen tatsächlich nicht zu gehen) eine Webseite, und los geht die Installation. Für spezielle Versionen – zum Beispiel CrossInk – muss man erst die Datei herunterladen und beim Installieren auswählen.
Es gibt wahrlich mehr Optionen. Es beginnt mit Deutsch als OS Sprache und geht weiter mit Leseoptionen. Und das sieht beim Lesen merklich besser aus. Die Titelseite wird angezeigt, wenn man den XTeink ausschaltet – wenn das eBook es gut eingebunden hat. Es gibt aber auch Fälle, in denen es nicht geht.
Für CrossInk ist mehr oder weniger die gleiche Software – sie basiert auf einem CrossPoint-Release und fügt Lesestastiken hinzu. Sodass man weiß, wie lange man gebraucht hat und wie lange man für das Kapitel und Buch noch benötigt – mehr dazu später.
Größe
Die Größe des Geräts ist überraschend perfekt. Es passt überall hin (Hosentasche, Fach im Auto, Reisetasche, Rucksack) – nenne etwas und es passt rein. Manchmal habe ich das Gerät nur in der Hand und lasse es kreisen, es kann auch beruhigen.
Der erste Außeneinsatz war eine Zugfahrt und ein anschließender Aufenthalt in einer Bar. Am Bahngleis konnte ich gemütlich lesen, und das Gerät schnell wegstecken, als der Zug einfuhr. Im Zug gab es keinen Platz und ich musste stehen, es war eng und ich musste mich mit einer Hand festhalten. Mit keinem meiner Geräte hätte ich so lesen können.
In der Bar kommt der zweite Vorteil zum Tragen. Als meine Begleitung die Toilette aufgesucht hatte, konnte ich das XTeink schnell herausholen, etwas lesen und dann auch wieder schnell wegpacken. All das ist durch die Größe möglich. Man hat keine lange Verpflichtung, wenn man das Gerät nutzt.
Lesegeschwindigkeit
Die ersten Bücher liefen nur so durch. Sowohl thematisch als auch von der Länge haben sie ausgezeichnet zum XTeink X4 gepasst. Da es kein Tracking gibt – weder mit der Standardsoftware noch mit CrossPoint –, habe ich gewechselt. Das Tracking ist aber kein Vergleich zu Kindle.
Dort wird die Zeit an Gerät und Buch angepasst und man empfindet es als korrekt. Während des Lesens hat es mich mehr unter Druck gesetzt als die 5/19 Seiten im Kapitel, was ich besser abschätzen kann als Zeit. Mittlerweile habe ich die Zeit beim Lesen deaktiviert. Eine Statistik kann ich mir aber im Menü anschauen, beim Beenden empfinde ich das als nützlich.
Nutzung
Zwischendurch lesen, immer wieder lesen und am Ende mehr lesen, das ist das Ziel gewesen. An einem Freitag habe ich den XTeink erhalten. Am Montag hatte ich das erste Buch gelesen, 13 Tage später das zweite. Waren es die richtigen Bücher, der Anfangshype, oder ist das Gerät wirklich perfekt?
Am Ende ist es wohl von allem etwas. Ja, das Buch muss einfach konsumierbar sein. Ist es schwer hineinzukommen und mittendrin zu stoppen, ist es schwieriger. Aktuell lese ich Dungeon Crawler Carl und das läuft nicht mehr so gut. Und auch beim Scribe war zum Start alles schneller.
Ich denke dennoch, dass das Gerät eine Lücke schließt und sinnvoll ist. Mal schnell ein paar Seiten zu lesen, geht besser und spontaner. Ich kann es auch schneller weglegen – am liebsten pausiere ich beim Kapitelwechsel, aber eine neue Seite geht auch.Ist eine Seite „kürzer“ – was bei der Größe immer der Fall ist –, geht es schneller.
Mein Senf
Nachdem ich einiges über den XTeink X4 gehört hatte, habe ich mir gedacht: Soll mich doch die KI beraten. Lange wollte ich verstehen, warum ich so unterschiedlich schnell lese. Erst ohne Kontext, später gab ich folgende Informationen mit: Am schnellsten lese ich auf dem Scribe, dann auf dem iPhone und dann auf dem Paperwhite.
Die KI (Le Chat) sagte mir, dass das XTeink X4 ein Game Changer sein kann. Schneller als auf dem iPhone und vielleicht sogar schneller als der Scribe. Am Ende würde ich sagen, ist der X4 schneller als das iPhone, aber langsamer als der Scribe. Die Größe ist ein anderer Vorteil.
Das spontane Lesen klappt ausgezeichnet, am besten ist das einhändige Lesen. Heruntergefallen oder nicht blättern können ist mir nie passiert. Auch ein Argument: ein Sturz. Fällt mir das iPhone runter – vielleicht, weil ein Kind es mir aus den Händen schlägt –, ist der „Verlust“ größer als beim X4.
Die größte Veränderung ist außerhalb des Geräts passiert: Ich kaufe meine Bücher bei einem anderen Anbieter. Das hätte ich nie gedacht und damit stimmt die Aussage über Game Changer absolut. Viel mehr habe ich auch gelesen. Perfekt ist der kleine Handschmeichler aber nicht – gerade für Menschen, die nur ein Lesegerät wollen, würde ich eher zu einem Paperwhite raten.














