Comic Sammlungen sind eine gute Möglichkeit, um einen Überblick über viele Helden und Schurken zu erhalten. Nur doof ist das man nicht den Comic „auszusuchen“ kann. Man muss nehmen was man bekommt. Bei Eaglemoss waren am Schluss jedes Bandes ein Klassiker dabei, manchmal waren auch die Comics als solches „Oldies“ . Bei den Marvel Sammlungen gibt es manchmal direkt Klassiker. Immer wieder reduzierte sich mein Interesse, wenn ich den Comic aufschlug und einen Klassiker vorfand. Warum bin ich davon kein Fan von klassischen Comics?

Stein des Anstoßes

Der Band 7 der Superhelden Sammlung von Hachette mit Captian America war für mich der Stein des Anstoßes. Alles „schlechte“ von Klassikern machte sich hier breit. Im Rückblick sind die Bände selten so schlimm, wie ich es während des Lesens empfinde. Aber irgendwie nimmt die Begeisterung für ein Comic bereits ab, wenn ich es aufschlage und ein Klassiker vor mir liegt. Eine Diskussion in einem Forum später merkte ich: nicht jeder findet klassische Comics so schlimm wie ich. Was stört mich und warum gehe ich mit weniger Enthusiasmus ans Lesens eines solchen Comics ran?

Diese Frage will ich mit diesem Artikel auf den Grund gehen. Bin ich zu retten? Übertreibe ich oder sind klassische Comics einfach nur Müll? Woran erkennt man überhaupt einen klassischen Comic?

Zeichnungen

Das offensichtlichste ist auch das unfairste. Denn die alten Comics haben meist einen anderen Stil. Marvel und DC Comic Klassiker haben jeweils ihren eigenen Look. Selten sieht das anderes aus. Die einzelnen Panels sind oft gleich groß, man arbeitet selten über die Panels hinaus. Es wird mehr mit Gedankensprechblasen gearbeitet. Die Erzählerbox ist meist immer gelb. Ja sogar die Seite sieht oft sehr gleich aus. Die Panels sind in der Regel 2×3 oder 3×3 pro Seite, selten Abwechslungsreich. Ausbrüche, gibt es eher selten. Das sind Kleinigkeiten, aber sie machen den ersten Eindruck aus.

Während „neue“ Comics immer wieder anders aussehen, verschiedene Farbgebung, je nach Held haben und auch mal unterschiedliche Panels haben. Auch der Pfeil zum nächsten Panel ist oft obsolet, weil die Reihenfolge klar ist (sein sollte). Wenn ein Superheld sich in einen anderen Band verirrt oder es sich um Team-Up handelt, kann man direkt erkennen von wem die Erzählboxen sind.

Dieser Punkt ist aber nur der Anfang. Denn nicht alles was in mir die Assoziation auslöst, es könnte ein Klassiker sein, führt am Ende zu einem schlechten Band.

Pseudo Moral

Einige feiern die Moral in klassischen Comics. Ich finde sie geheuchelt und oft zu patriotisch. Gerade ein Captain America hat es ständig mit Nazis zu tun (auch in den 80er Jahren). Jeder Bösewicht ist ein Nazi, selbst wenn er ein Vampir ist. Das sorgt für eine sehr oberflächliche Gestaltung eines Charakters. Er ist ein Nazi und damit böse PUNKT. Oder noch schlimmer andersrum: Er ist böse, er muss ein Nazi sein.

Klar positionieren sich heutige Comics weniger Politisch, es war aber in den 40er, 50er und 60er Jahren deutlich einfacher sich politisch zu zeigen. Die Seiten waren klarer. Erst die bösen Nazis, dann die bösen Kommunisten. Solche klaren Ausgrenzungen gibt es nicht mehr. Wenn man über Terrorismus schreibt, will es keiner lesen und Innenpolitisch haben Comics selten Stellung bezogen – was auch global eher schwierig ist. Wenn ich in einem Comic eine politische Meinung möchte – was ja schon zur Disposition steht – dann sollte es deutlich tiefer gehen. Bestes positives Beispiel ist Watchmen.

US Amerikaner neigen dazu sich selbst als die Besten überhaupt zu sehen. Dieses wird besonders stark in klassischen Comics thematisiert. Das hat – vielleicht auch durch die Globalisierung, etwas abgenommen. Ein Comic als Propaganda Mittel? Warum nicht 😮 . So ist ja Captain America überhaupt erst entstanden. Er war ein Mittel, um den Hass auf Deutschland zu stärken. Wenn es zum Krieg kommt, sind alle bereit Menschen zu erschießen.

Wenn man aus klassischen Comics mehr Moral rausliest, dann ist es mehr Geschichtlich bedingt, als heutige Feigheit eine Meinung zu äußern. Würden wir über die klassischen Comics aus den Vierzigern anders reden, wenn – Gott bewahre – Deutschland den Krieg gewonnen hätte?

Das Anti-Hai-Spray

Wenn ein Superheld in der Falle sitzt, hat er in klassischen Comics ein Spray bei sich, was genau das bekämpft, was ihn festhält. Auch sonst erinnern mich manche Auflösung an diverse Nachmittägliche Sendungen. Es gibt eine große Auseinandersetzung, ohne Ausweg. Dann sagt der Superheld etwas wie „Das macht man nicht“ und der Schurke gesteht seinen Fehler ein. Ja das ist nicht der Standard, die Lösungen sind aber oft sehr banal und schnell abgehandelt.

Das Anti-Hai-Spray zum Beispiel kommt von Batman, heutzutage undenkbar. Auch wenn hier sagen muss das es schon etwas Humor besitzt. Hawkeye hat tausende von verrückten Pfeilen, wo er die her hat, ist mal so was von egal. In dem oben stehenden Comic von Captain America, wird er gerettet, weil ein Schurke plötzlich ein schlechtes Gewissen hat. „Ich habe es doch gar nicht so gemeint“.

Diese banalen Auflösungen und Ansätze mögen ab und an mal funktionieren, auf Dauer sind sie einfach nur öde.

Heute ist alles Kommerz!

Das hört man häufiger in Bezug auf aktuelle Comics. Man würde nicht auf die Leser hören, sondern nur auf das Verkaufen an selbige. Was lässt sich gut verkaufen, alles andere gibt es nicht mehr. Dadurch wird nur für Masse produziert. Dazu muss ich zuerst sagen: RICHTIG SO! Wenn dem nicht so wäre, wäre es schlimm. Wir leben in einer Marktwirtschaft, wer am Markt vorbei entwickelt ist weg. Und ich habe lieber „Einheits“-Comics, als gar keine. Auch wenn Indie Comics bzw. Verläge natürlich nicht gleich weg sind, ist eine gewisse Aufmerksamkeit auf den Markt durchaus als sinnvoll zu betrachten.

Und der Zweite – viel wichtigere – Punkt: das war schon immer so. Der heute so beliebte Superheld Spider-Man, wurde abgelehnt. Die Kunden könnten sich vor Spinnen fürchten bzw. ekeln. Nur weil eine Serie eingestellt wurde, hat man ihm eine Chance gegeben, sich in einem „toten“ Heft zu präsentieren. Es war also früher nicht anders. Und wird heute nur durch Events – sieh Civil War II – nur mehr auf die Spitze getrieben. Also das „Ich muss von einem Event alle Comics und alle Bände lesen, um wirklich alles komplett, richtig verstehen zu können“ .

Für Kinder

Kein Witz der Ruf den Comicleser haben, kommt von den klassischen Comics. „Das ist doch was für Kinder“ oder „Das ist doch dümmlich“ kann man klassischen Comics sehr gut zuordnen. Während heute Joker, Riddler, Bane und Co. teilweise brutal über die Stränge schlagen, waren die Schurken früher auf Entführen spezialisiert. Viel mehr war kaum möglich. Die Superhelden – und alle anderen Geiseln – waren geknebelt in einem Schiffsrumpf und haben gewartet bis jemand kommt und sie rettet.

Mein persönliches Lowlight: wie Batman und Superman ihre Geheimidentität entdeckt haben. Beide sind als ihre Alter Ego (Bruce Wayne und Clark Kent, sorry für den Spoiler 😉 ) auf einem Kreuzfahrtschiff. Sie bekommen durch Zufall die gleiche Kombüse. Das Licht geht aus, sie ziehen sich um, und schlüpfen in ihre Superhelden Kostüme. Dann geht das Licht an und sie sehen sich. Wahnsinn 😮 .

Es geht auch anders

Bevor alle dem Hater, der Hater entfolgen, es gibt auch Ausnahmen. Und was für welche das sind. Aktuell mein persönliches Highlight Watchmen von 1986/87. Aber es gibt noch mehr: Spider-Man: Kravens letzte Jagd 1963, Batman: Im Zeichen des Jokers 1977, Batman – Ein Tod in der Familie 1988.

Damit sollte aber auch klar sein, älter als 1960 geht es bei mir scheinbar (bisher) nicht. Alles was älter ist, ist für mich schwer ertragbar und damit die Ur-Ur-Urgroßmutter meiner geliebten Comics.

Der Senf zum Senf

Natürlich ist nicht immer alles gleich. Es gibt sehr gute Klassiker und sehr schlechte Comics aus der Neuzeit. Dieses allgemeine Bild lässt sich aber gut zeichnen. Einige sehen es vielleicht anders und sagen „Klassische Comics sind absolut genial“. Das dürft ihr weiterhin denken, ich mag sie dennoch nicht.

Gerade bei Sammlungen – wo ich die Comics nicht wirklich auswähle – geht mein erster Blick in den Comic und auf die Zeichnungen. Die Lust auf den Comic steigt bei modernen, anderen Zeichnungen. Sind es klassische Comics, wandern die Comics an das Ende der Leseliste.

Vielleicht habe ich auch noch keine „echten“ klassischen Comicperlen gelesen. Habt ihr Empfehlungen? Seid ihr anderer oder sogar derselben Meinung? Dann ab in die Kommentare.

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Veröffentlicht von Vincisblog

Softwaretester, Technikaffin, Comicnerd und vieles mehr. Gerne auch etwas kleinkariert.

2 Comments

  1. […] wenn ich in der Regel keine klassischen Comics mag, dieser gefiel mir. Warum? Weiß ich ehrlich gar nicht. Er macht alles das was mich bei […]

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  2. […] von Captain America. Da ich meinen eigenen Beef mit „klassischen“ Comics habe (dazu hier mehr), habe ich mich eher durch den Band gekämpft, als ihn zu genießen. Wer klassischen Comics eher […]

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