Dinge, Routinen und vermeintliche Produktivitätsbooster ändern sich. Mit der Zeit werden aus den besten Ideen eben nur das: Ideen. Der Alltag hat die vermeintlich gute Idee überholt. Dazu kommen technische Errungenschaften, die meinen Alltag ebenfalls oft verändern. Also habe ich mich für einen Langzeitbericht zum Move von reMarkable entschieden.
Nutzung
Fangen wir an mit meiner aktuellen Nutzung. Einige Punkte bespreche ich später tiefer. Ich nutze den Move beruflich in Meetings oder als Vorbereitung auf Meetings (was will ich sagen oder wie). Meine Tech-Reviews und die Top 5/8 2025 habe ich mit dem Move vorbereitet – nach dem Prinzip „schnell aufschreiben und ablenkungsfrei“.
Ich nutze aber auch gelegentlich Workbooks (später mehr dazu). Lese Bücher, die ich nicht bei Kindle erworben habe (Make Something Wonderful, The Daily Law). Letzteres lese ich jeden Tag, auch da ist der Move supergut drin. Einschalten und direkt lesen ist seit März eine tägliche Aktivität.
Natürlich Daily Scribbling – das mache ich nur noch hier – und ich versuche mich an Bullet Journaling (eine Monatsübersicht und bei besonderen Ereignissen schreibe ich sie zu dem Datum) und Habit Tracking. Gelegentlich entdecke ich neue Anwendungsfelder.
Marker vs. Marker Plus
Es war ein Fehler, den Marker zu wählen. Den Marker Plus habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen und es fühlte sich direkt wie nach Hause kommen an. Es war direkt besser. Während der Marker sich komisch angefühlt hat – haptisch wie auch das reine Gefühl –, war der Plus direkt besser.
Auch beim Schreiben fühlte es sich besser an. Und das ist komisch, da es die gleiche Stiftspitze ist. Die 50 €, die man beim Kauf mehr zahlen müsste, sind es allemal wert. Ich ärgere mich, dass ich mich falsch entschieden habe. Ich hätte es besser wissen müssen.
Folio
Wo ich mich auch ärgere, aber es nicht besser wusste, ist das Folio. Zur Erinnerung: Ich habe das Folio aus dem Material „Mosaic Weave“ in der Farbe Burgundy gewählt. Schon beim Testbericht war ich irritiert, es ist noch schlimmer geworden. Sowohl damals als auch jetzt fühlt es sich gut an und schützt den Move.
ABER … es sieht nicht mehr gut aus. Die Farbe wirkt verwaschen, leicht grau an manchen Stellen und – ein Problem, das vielleicht nicht jeder hat – Tierhaare. Meine Katze hat weißes Fell und das sieht man nicht nur gut, es verfängt sich so, dass man es kaum abbekommt.
Gerade bei dem Preis ist das Folio kein Tipp. Die billigen Alternativen haben oft zu schwache Magnete und sehen nicht gut aus. Die Magnete im Folio von reMarkable sind so stark, dass ich den Move kaum von einem Metalltisch anheben kann. Auch sonst ist das sicher verbunden.
Während ich den Move verwende und wenn ich ihn im Haus transportiere, ist der Move nun nackt (so wie ich es mag 😜). Unterwegs packe ich den Move in das Folio. Zukünftig werde ich wohl auf die Lederversion wechseln. Abnutzung sollte anders sein, Tierhaare gar kein Problem. Aber das ist sehr teuer (149 €) und ich höre ebenfalls nichts Gutes.
Hosentaschen Boy
Kleine und handliche Produkte haben einen Markt. Smartphones werden größer und größer, gerade bei einem Notizbuch möchte man aber auch kleine Notizen schnell festhalten. Große Geräte stehen diesen kleinen Ideen oft im Weg und sind schlicht zu weit weg. Der Move sollte diese Lücke tatsächlich füllen. Ist das so?
Hier eine kleine Auflistung, was oft funktioniert und was nicht. Move (teilweise mit Folio) in die Jogginghoseseitentasche oder in die rückseitige Hosentasche im Büro – funktioniert. In meinen Arbeitsrucksack, und dort passt er gerade so in eine Spezialtasche. Dann wird es knifflig. In meine Umhängetasche passt der Kindle Paperwhite perfekt, der Move überhaupt nicht (es sei denn, man lässt sie offen, und das ist mir zu gefährlich).
Besonders knifflig ist es im Falle des Transports im Auto. In meinem aktuellen Auto (C-Klasse) kann ich den Move nirgends hinpacken. Nicht in die Tür, nicht in die Mittelkonsole und nicht im Fach in der Mittelkonsole. Nur im Handschuhfach wäre eine Option. Das ist aber zu weit weg und das würde ich vergessen.
Für ein kleines Gerät ist der Move erschreckend unportabel. Eine andere Sache gefällt mir ausgezeichnet: Eine Hand hält den Move, die andere schreibt. Das ist in den meisten Fällen die Situation, wie ich den Move benutze. Also handlich, ja, transportabel eher bedingt.
Lesen
Das Auf und Ab bei reMarkable hat sich auch in der Kategorie „Lesen“ widergespiegelt. Ja, man kann mit dem Move lesen, und ich tue es auch. Das Problem ist, etwas zu finden. Fast alle meine Bücher sind bei Kindle, und ein Export und dann keine Synchronisation sind für mich keine Option. Mache ich seit Kurzem aber – mehr in einem zukünftigen Review eines neuen Geräts 😜.
Das Lesen ist weniger „Druck“. Wie lange ich noch bis zum nächsten Kapitel oder bis zum Ende des Buches habe, wird nicht angezeigt, auch keine Uhrzeit. Es ist somit „entspannter“, man ist mehr im Fokus. Aber das betrifft die wenigen Bücher. Würde ich mehr auf den Move lesen, würde es mir fehlen.
Was macht der Scribe?
Es gehört nicht in diesen Bericht – aber ehrlich, wohin sollte ich diese Information packen? – Aber was macht eigentlich der Scribe? Wenn überhaupt, lese ich nur noch damit Kindle Bücher. Transportabel ist der Scribe nicht, also bewegt er sich kaum. Einmal habe ich noch „Probe“ geschrieben.
Das Ergebnis? Die Farbe fehlt mir, der Stift und das Geräusch beim Schreiben fühlen sich sehr ungewöhnlich an. Ich könnte wohl nicht mehr zurück. Der Gewinner von damals ist komplett in sich zusammengefallen. Ihr wisst nicht, wovon ich rede? Dann schaut euch meinen Vergleich an.
Sudoku
Aus dem Nichts habe ich etwas Cooles entdeckt. Als Sudoku “herauskam”, war ich direkt mit dabei. Ich habe viele Sudokus gemacht, sogar solche Blöcke mit Tausenden Seiten. Für die digitale Welt konnte ich leider nie etwas Gutes finden.
Entweder war der Wechsel zwischen „hereinschreiben“ und „vormerken“ selten gut, zum anderen waren die Hilfen zu viel. Welche Zahl fehlt? Was geht? Automatisches Befüllen oder Animationen oder noch schlimmer Lebensabzug, weil man sich verdrückt hat? All das gefiel mir nicht. Apps ohne den Schnickschnack sahen dann wiederum schlecht aus.
Also habe ich bei Etsy – einer tollen Plattform für solche PDFs – ein Sudoku-Set gekauft. Das Set ist ungünstigerweise nicht perfekt, da viele Rätsel mehrere Lösungen haben. Aber das Wichtigste: So macht Sudoku wieder richtig Spaß. Der Move kann mehr als gedacht.
Second Screen
Den Move als „Second Screen“ – also Zweitgerät –, geht das? JA! Da WLAN und die Synchronisation nicht gingen – siehe unten –, habe ich das Display von meinem Geschäftsrechner platziert. So konnte ich ein Online-Meeting machen und meine Notizen lesen. Hat toll funktioniert.
Mitschreiben im Meeting funktioniert auch toll und ist dezenter als mit einem Rechner. Auf dem Schreibtisch zum Mitschreiben habe ich den Move auch immer wieder verwendet. Nicht immer gut – man sieht schlicht nicht so aufmerksam aus, wenn man in einem Online-Meeting mit Webcam den Kopf nach unten neigt.
Connect Abo
Wenn ihr mehr über das Connect-Abo erfahren wollt, ob es sich lohnt und wenn ja, für wen, habe ich meine Erfahrungen in einem anderen Beitrag gepostet. Wenn ihr nun wissen möchtet, ob ich das Abo noch nutze, ist hier meine Antwort: Nein.
Aber es gibt Veränderungen. Geräteschutz? Seit April ist das kein Vorteil mehr vom Connect-Abo. Was das wohl zu bedeuten hat? Ist reMarkable zu kundenfreundlich gewesen oder gibt es größere Probleme? Alles ist möglich, gut ist es in allen Fällen nicht.
Workbooks
Im Connect-Abo – aber manchmal auch kostenlos – gibt es Workbooks. Dateien, die dir bei einem Thema helfen. Inhalt sind Texte und Aufgaben, um im Thema weiterzukommen. Ob es indessen Jahresziele oder AI ist: Viel ist möglich. Macht so was Sinn?
Ich fand sie besser als gedacht, aber es ist – natürlich – nicht für jeden geeignet. Als Nutzer vom Move gibt es noch ein Problem: keine Anpassung. Es ist im A4-Format, entweder oben und unten dicker Rand und kleine Schriftgröße oder man muss heranzoomen. Schade.
Unternehmen
Den reMarkable Paper Pro habe ich mit dem Kommentar „zu gelbes Display“ zurückgegeben. Reaktion? Gar keine. Man könnte ja etwas anbieten oder dazuschreiben. Beim falschen Marker kam auch eine eher ungünstige Antwort → (siehe Move Review).
Später wurde ohne Kommentar die Testzeit von 100 und 50 reduziert. Der Abo-Preis wurde ohne Kommentar erhöht. Dann hatte ich ein Problem mit dem „Pro/Contra“-Template. Der erste Support wusste keine Lösung, bis der 2nd‑Level-Support den Tipp für die Orientierung gab – warum auch immer Templates unterteilt sind und später in allen Richtungen verwendet werden können.
Viele Entlassungen gab es in den vergangenen Wochen auch noch. Ist reMarkable noch profitabel? Gibt es Probleme? Schwer zu sagen. Ich habe Sorge, dass sich reMarkable in eine gefährliche Richtung bewegt. Der neue Paper Pure ist in meinen Augen ein Armutszeugnis. Wer sich in diese Geräte verguckt, sollte das unbedingt vorher wissen.
Kleinigkeiten
Warum hat der Move Gummifüße? Es hat schlicht gar keine Funktion. Auf nahezu jedem Untergrund rutscht der Move. Sieht gut aus, fühlt sich gut an, hat aber keinen Wert. Trotzdem rutscht der Move nicht zu stark – Stichwort: herunterfallen.
Kopieren und Einfügen funktioniert traumhaft. Man kann jedes Element kopieren und überallhin – andere Seite, anderes Notizbuch und so oft, wie man möchte – einfügen. Das kenne ich vom Scribe ganz anders (nur auf der gleichen Seite einfügen).
Die Sortierungen auf dem Gerät kann man nur allgemein festlegen. Ich möchte die Dateien auf der Hauptseite alphabetisch sortieren und an einem anderen Ort nach der letzten Änderung. Das geht nicht. Ändert man es irgendwo, gilt es global (auf dem Gerät). Einstellung werde nicht für andere Apps übernommen.
Ein paar „kleine“ WLAN‑Probleme gibt es bei reMarkable „kostenlos“ dazu. Öffentliche WLAN‑Netze kann man nicht verbinden und auch keine Hotspots. Das heißt für mich: Bin ich im Büro, kann ich den reMarkable nur offline nutzen. Das ist schwach.
Mein Senf
Der Move hat direkt funktioniert. Ich habe regelmäßig ein Lächeln im Gesicht, wenn ich den Move nutze. Es macht so viel Spaß, dass der Paper Pro wieder interessant für mich wird. Habe ich den großen Bruder aus den falschen Gründen zurückgegeben?
Der Formfaktor ist perfekt. Viele Sachen würde ich auf dem Großen gar nicht oder seltener machen. Der Stand von reMarkable macht mir Angst. Was passiert, wenn das Unternehmen pleitegehen würde? Das wäre für mich eine Katastrophe.
Der Move ist eines meiner wichtigsten Geräte und das ist mal eine Ansage. Immer wieder entdecke ich neue Anwendungen. Das eINK-Tablets und der Move im Speziellen nicht für jeden etwas sind, ist mir klar. Für mich ist das Gerät nahezu perfekt.
Dass ich den Move wirklich jeden Tag verwende und noch immer neue Möglichkeiten entdecke, macht mir Mut, dass der Move einen echten Mehrwert für mich darstellt. Egal, wo der Move liegt, er lächelt mich an und ich möchte unbedingt den Move nutzen. Manchmal sogar nur in die Hand nehmen, das gilt auch für den Marker. Tolles Gerät!









