[SENF] Apple Watch Series 6

Vor 5 Jahren schrieb ich über Smartwatches – die ich zu diesem Zeitpunkt nicht besessen hatte, als das nächste große Ding. Eine Meinung die ich noch immer teile. Seitdem ist viel passiert. Mit der Apple Watch Series 3 war ich Zwiegespalten und zwar zwischen sehr zufrieden und unzufrieden. Nun habe ich ein Upgrade gewagt.

Das ist kein Review und auch kein echter Test, sondern eine Ansammlung von Gedanken. Warum wollte ich eine neue Apple Watch, hat es sich gelohnt und was muss man beachten?

Series 3: Fluch oder Segen?

2017 habe ich mir meine erste Smartwatch in Form der Apple Watch Series 3 geholt. Und ich bin immer noch schlicht begeistert. Ob man nun diskret Benachrichtigungen erhält und dadurch ein ständig stummes Telefon hat, oder die reichlichen Fitnessfunktionen. Ich war und bin begeistert.

Seit Apple Pay in Deutschland verfügbar ist, nutze ich die Apple Watch auch dafür so oft wie möglich. Einen Timer schnell in der Küche stellen, ist dann ein weiterer Vorteile. Für mich ist die Apple Watch mehr als nur ein Accessoire.

Aber ich habe auch einige Probleme. Probleme die mich wirklich stören. Es fängt mit den Watchfaces an. Apple ist da sehr restriktiv und ich bin ganz ehrlich: mir gefällt keins, auf diesem Modell. Es kommen auch seit einiger Zeit keine neuen mehr dazu. Das ist bitter, man könnte meinen Apple will einen zu einer neuen Uhr „zwingen“.

Das wird dann nicht besser wenn man die neusten Dinge sieht. Stein des Anstoßes WatchOS 7. Welches immer noch für die Series 3 erschienen ist, ABER ich kann es nicht installieren. Knapp 300 MB groß ist das Update, 5 GB hat die Watch und 4,1 GB werden für das Update benötigt. Alle Apps deinstallieren reichte bei mir nicht. Man muss die Uhr zurücksetzten und neueinrichtend. Der Witz: bei meiner Frau ging es einfach so. Dass das Update bei der Series 3, dann Probleme mit plötzlichen Neustarts hat, kommt noch dazu.

Das klingt schon ärgerlich, aber für was braucht man das Update? Neue Watchfaces? Diesmal keins für die Series 3. Händewaschen? Nicht mit der Series 3. Ihr merkt schon. Wenn ich nicht vorher schon bestellt hätte, dann wäre das der Zeitpunkt spätestens gewesen.

Die Verlockung

Schon 2018 war ich angefixt. Mit der Series 4 wurde das Display der Uhr größer und somit für mich interessanter. Die neuen Watchfaces – schon zum Start – gefielen mir. Ich musste mich zusammenreißen. Letztes Jahr kam die Series 5 mit einem Always-On Display. Erneut war ich angefixt.

Hätte ich nicht ein neues iPhone geholt, hätte ich wohl zugeschlagen. Ich entschied mich dagegen. Beschlossen hatte ich vor der Vorstellung: die Series 6 wird meine neue Watch. Und dann? Und dann kam das Apple Event. Ich war ernüchtert und enttäuscht. So richtig cool ist das Update nicht.

Warum lässt man ForceTouch weg und erhöht weder die Akkukapazität noch macht man die Uhr dünner? Das ist verschwendetes Potenzial und genau so denke ich über eine potenzielle Series 7. Kommt da was „ganz“ großes? Aber ich konnte nicht mehr bei der Series 3 bleiben.

Die Auswahl

Ich habe mich für die Space Grey Edelstahl Watch entschieden. Aluminium sieht irgendwie nicht wertig aus. Dazu kommt das Displayglas. Leichte Kratzer sind auf der Watch gelandet und stören mich mehr als sie es müssten. Dazu kommt, das man automatisch eine eSIM hat. Auch wenn ich nicht direkt diese verwenden werde (dank den deutschen Mobilfunkanbieter, die den Hals nicht voll genug bekommen).

Durch Mitarbeiterangebote hatte ich leider keine Wahl und musste eine Silikonarmband in grau nehmen. Nicht schlimm, aber fast genau die gleiche Farbe, die ich bereits hatte. Übrigens war ich mir ob der Farbe der Uhr nicht sicher und habe mich wegen der Lieferzeit für das dunklere entschieden.

Die ganz schwarze Version von der Series 5 gibt es nicht mehr und damit ist die Gehäusefarbe die gleiche wie vom schwarzen iPhone 11 Pro. Wer ein „einheitliches“ Design wünscht, wird so sicher auch ganz glücklich. Leider sind die Produktbilder dazu nicht sonderlich unterschiedlich zwischen Series 5 Black und Series 6 Grey.

Erster Eindruck

Und dann war es soweit. 2 Tage eher als gedacht brachte der Postbote mir die neue Apple Watch mit den Worten „Ihre Uhr“ – kein Witz und ich habe keine Ahnung woher er das wusste, das in dem Paket eine Uhr war. Also ging es endlich los.

Zur Verpackung nur so viel: die Uhr und das Armband kommen mittlerweile getrennt in einer schönen aufklappbaren Verpackung daher – kannte ich so noch nicht. Der USB-zu-Stromstecker ist nicht mehr dabei. Aus Umweltsicht müsste nicht mal eine Ladekabel rein, aber das man dann den selben Preis verlangt ist dann wieder die typische Apple Art. Die Watch hatte übrigens neben der Folie noch ein kleines Säckchen für den Transport.

Das Display ist direkt auffällig und klar größer als bei der Series 3. Sowohl der Edelstahlrahmen, als auch das Saphirglas – was Apple gar nicht mehr als Besonderheit erwähnt – zeigen einen wertigeren Eindruck. Gleiches gilt für das etwas höhere Gewicht. Was aber auch einige zur Aluminum oder Titanversion treibt.

Display & Tasten

Das Display ist natürlich eins der wichtigsten Änderungen. Wie schon gesagt: es ist größer und es sieht sehr gut aus. Es lässt sich auch im „passiven“ Modus sehr gut ablesen. Die Menüs wirken etwas frischer, da auch die Formen etwas anders ist, konkreter sind die Ecken rund.

Nach einigen Tagen bin ich klar der Meinung: das Display ist das Highlight der Watch. Es ist unglaublich hell und gut ablesbar, auch im passiven Zustand ist die Helligkeit kaum unterscheidbar. Auch die Form des Displays hat bisher zu wenig Beachtung gefunden. Die Series 3 ist wirklich rechteckig, während die Series 6 (4 & 5 natürlich auch) abgerundete Kanten haben, wichtig das Display ist hier gemeint, nicht das Gehäuse. So dass oben und unten die Menüpunkte etwas anders aussehen. Deswegen sind auch einige Watchfaces (z.B. Infograph) nicht möglich oder würden dann die Anzeige noch weiter reduzieren.

Die Krone und die Seitentaste haben einen besseren Druckpunkt und vor allem überzeugt mich die Vibration bei der Bedienung. Sie ist knackiger und macht Laune. An der Stelle kann ich nichts bemängeln bzw. muss ich die Wertigkeit noch einmal in den Fokus stellen.

Gesundheitsfeatures

Neu sind für mich die EKG und Sauerstoffsättigung im Blut Funktionen. Beides funktioniert gut. Wie aussagekräftige diese sind, wird sich zeigen. Betroffene Personen können aber so – wie schon diverse Male berichtet – bequem Probleme feststellen oder eben feststellen das kein Problem vorliegt.

Wie Apple immer betont, ist die Sauerstoffsättigung im Blut keine Funktion die als medizinisches Produkt gewertet werden darf, sondern hilft nur im Zweifel diverse Dinge zu erkennen, nicht mehr. Wenn man sich nicht wohl fühlt, sollte man normal zum Arzt gehen und sich nicht auf die Uhr verlassen.

Watchfaces

Oh je schon wieder das Thema. So richtig konnte mich Apple noch immer nicht überzeugen. Warum ist die passive Uhr immer von der aktiven Uhr abhängig? Warum kann ich nicht ein simple Uhrzeit anstelle einer komplizierten mit vielen Komplikationen anzeigen lassen? Das wäre doch nur logisch.

Auch sonst gibt Apple viel vor. Was bei der Series 3 zu der obigen Aussage (ich habe kein Watchface was mir gefällt) geführt hat. Hier finde ich einige gute und gefällige. Perfekt ist aktuell aber auch keine. Schade!

Mit einigen Tagen und etwas probieren bin ich doch ganz zufrieden. Gerade beim Thema Farbe kann man einige Kleinigkeiten verändern bzw. verbessern. Mit diesen kleinen Einstellungen konnte ich mein Watchface finden. Also nicht entmutigen lassen, manchmal hilft das Feintuning.

Auch schön ist der Benachrichtigungspunkt, der nicht mehr an der gleiche Stelle ist. Es kann sein das er je nach Watchface minimal wo anders ist, damit es zu dem Watchface besser passt. Eine farbliche Anpassung selbigem gibt es weiterhin nicht, was ein wenig verschenkt ist.

Schlafen und der Akku

Das Schlaftracking wurde mit WatchOS 7 eingeführt und von vielen gewünscht. Ich kenne gutes und schlechtes Schlafttracking von diversen Fitnesstrackern. Bisher war ich nicht wirklich scharf drauf, was auch am Akku lag. Jetzt ist der Akku nicht sonderlich besser, bei der Series 6 und man soll sie nun im Schlaf tragen? Macht das Sinn?

Das Einrichten über die Apple Health App ist einfach und nimmt den Nutzer an die Hand. Wie lange willst du schlafen, wann willst du aufstehen und zack um die Zeit musst du ins Bett. Bei Bedarf kann man vorher das iPhone noch vor der Bettzeit in eine „Vor“-Schlafphase versetzten, damit man schneller einschläft. Sprich weniger Benachrichtigungen, andere Helligkeit etc..

Am nächsten Morgen hatte die Watch 20% des kostbaren Akkus verloren, einen ähnlichen Wert wie wenn sie auf den Nachttisch liegt, ohne das sie geladen wird. Was zum einen sehr viel ist, zum anderen aber trotz Gesundheitsüberwachung wenig ist. Das Wecken war sanft, auch wenn ich schon wach war – warum werde ich dennoch geweckt?

Leider bietet die Health App nicht viel mehr als: du hast x Stunden geschlagen, x Stunden warst du im Bett und hier sind deine BPM. Toll. Kein Verlauf, keine Tiefenschlafphasen. So ist es wirklich nichts für mich. Mal schauen ob ich es nochmal probiere oder sein lasse.

Positiv hingegen ist noch die Folge von einer „aktiven“ Apple Watch Nacht. Man muss die Uhr am Tag laden und das geht echt sehr schnell. Da hat die Series 3 massive Probleme. Hier ist man mit einer Stunde laden schon gut versorgt. Ein weitere halbe Stunde und das Gerät ist voll.

Aufmerksamkeit auf passive Geräte

Was unglaublich schwer ist, ist die Tatsache das ich nun viel auf die Apple Watch achte, um hier sinnvolles abzusondern. Aber wie macht man das für ein Gerät welches passiv seinen Dienst verrichtet? Das ist schwerer als gedacht. Ihre Aufgabe ist oft anzeigender Natur und die Uhr wartet auf Benachrichtigungen oder ähnliches.

Das dürfte auch der Grund sein warum die „Probleme“ der Series 3 mir zwar bewusst waren, aber ich damit leben konnte. Auch wie sie wirkt kann ich immer nur schwer am eigenen Arm beurteilen. Aber wenn man die passiven Momente zusammenzählt habe ich durchaus eine Verbesserung verspürt.

War es das Wert?

Was direkt zu der Frage führt: war es das Wert? Genauso unsicher wie vor und nachdem Kauf, war ich auch nachdem ich die Uhr angelegt hatte. Die neue Apple Watch ist klasse und – wovon man bei 3 Jahren ausgehen kann – ist sie deutlich besser als die Series 3. Aber musste es wirklich eine neue sein? Eine Frage direkt aus den Mund von meiner Frau 😉

Müssen und Brauchen versuche ich bei einer Technik Entscheidung immer rauszulassen. Man muss gar nichts und mal abgesehen von einem Gerät was mich am leben hält, brauche ich gar keins. Ich bin sehr zufrieden mit der Series 6, es gibt wenig zu meckern. Aber ob es nötig war ein Upgrade durchführen, ist für mich aktuell schwer zu sagen.

Vielleicht hilft ein Blick in die Zukunft wenn Apple die nächste Uhr vorstellt. Aber wenn ich solange mit einer Uhr ausgekommen bin, die mich an manchen Stellen stark gestört hat (Watchfaces, Performance, Aluminium), sollte ich doch mit dem aktuellen Modell, „viel länger“ aushalten können, oder?

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