In den vergangenen Jahren bin ich tief in das Notetaking-Game eingestiegen, besonders in die Welt der eINK-Papertablets. Ein Feedback von diversen Kollegen war: Ich nutze lieber Papier und Stift. Diese Kombination möchte das Huion Note abdecken. Geht das wirklich?
Dieses Gerät wurde mir von Huion als gesponsertes Gerät zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Die Bewertung des Geräts findet aber in üblicher Vincisblog Qualität statt.
Das Konzept
Das Huion Note Konzept ist simpel. Nimm ein normales Notizbuch, einen „normalen“ Stift (später mehr, was hier normal heißt) und schreibe deine Notizen auf. Alles, was du in dem Notizbuch schreibst, wird anschließend automatisch digitalisiert.
Also mehr ablenkungsfreies Notieren kann man eigentlich nicht machen. So die Idee und das Konzept. Wie gut dieses Konzept in der Realität ist und funktioniert, zeige ich euch in den nächsten Kategorien. Die Idee überzeugt sicherlich einige.
Verpackung
Die Verpackung des Huion Note sieht richtig edel aus. Der Schriftzug und die Banderole sehen wertig aus. Gold wird direkt als positiv angesehen. Der Stift und die Stifthülle, Stiftspitzen und ein USB-A-auf-USB-C-Kabel sind als Zubehör neben dem Notebook (außen wie innen) enthalten.
Der erste Eindruck ist durch die Verpackung durchaus positiv. Dass es noch beeindruckender geht (kleinere Box zum Beispiel), mag sein, ist aber nicht meine Intention für diese Zeilen. Ich habe richtig Spaß, alleine dieses Produkt zu entpacken, und das ist schön 😊.
Notizbuch
Das Notebook besteht aus einem Lederumschlag in Braun. Das sieht wertig aus, fühlt sich gut an und kann von einem normalen Notebook nicht unterschieden werden. Mitgeliefert wird ein Notizblock (gepunktet). Und auch das ist sehr wertig.
Das Papier ist dick, nichts scheint durch und es fühlt sich beim Schreiben schlicht gut an. Da habe ich schon ganz anderes Papier in Notizbüchern erlebt. Aber es gibt auch vier Besonderheiten, die das Notebook von einem klassischen Notebook unterscheiden.
Es gibt eine Status-LED, einen Knopf für die nächste Seite (später mehr), den USB-C-Anschluss zum Laden auf der Oberseite, und die größte Änderung ist die Magie: das Grafik-Tablet. Auf der rechten Seite ist im Ledereinband das Tablet eingebunden und sorgt für die genaue Erkennung.
Genau dieser Teil interessiert mich am meisten. Das ist eine clevere Idee, die für hohe Genauigkeit sorgt. Klar ist aber auch: Der Block muss gerade auf dem Tablet liegen, ansonsten verrutscht der Text. Für die Zukunft heißt es aber auch, dass man prinzipiell jeden Block einfügen kann, sogar Post-its wären möglich.
Stift
Bevor ich zum Stift komme, komme ich zum Stifthalter. Dieser sieht okay aus, ist aber unpraktisch. Ein schwacher Magnet hält diesen auf der Front auf der rechten Seite. Sicher ist das nicht, herunterfallen eher die Regel. Dazu kommt, dass es in der Tasche stört. Es gibt andere, deutlich bessere Lösungen.
Der Stift ist speziell. Eine Mischung aus schwarzem und goldenem Plastik. Auf den ersten Blick wertig, beim Anfassen geht es dahin. Eine Stiftkappe kann man abnehmen oder auf die Rückseite packen. Die Stiftspitze – sowohl die zum Schreiben als auch der vordere Bereich des Stiftes – sieht nicht wie ein „normaler“ Stift aus.
Ich bin ehrlich: Der Stift ist in allen Facetten das Schlechteste am Huion Note. Wertiger und hübscher wäre sicher möglich gewesen. Wie sieht es mit einem x-beliebigen anderen Stift aus? Es ist doch ein normales Notizbuch, oder? In das Notizbuch kann man zwar schreiben, aber es wird dann in der App nicht erkannt.
Stiftspitzen
Neben der bereits „installierten“ Stiftspitze gibt es noch 4 mit Tinte und 2 Plastik-Stiftspitzen. Für die Spitzen mit Tinte sollte alles klar sein. Wenn die Tinte alle ist, benötigt man eine neue – gleiches wie bei einem Kugelschreiber. Also für analoge Typen ein bekanntes Thema.
Die Plastikspitzen werden für den Tablet-Modus benötigt. Eine Abnutzung ist eher selten der Fall, aber eine Ersatzspitze zu haben, ist nicht verkehrt. Dazu gibt es ein Werkzeug zum Entfernen und alle Spitzen haben eine Haube, damit sie nicht abbrechen oder austrocknen. Die Tinten Spitzen haben sogar eine doppelte Haube.
Neue Seite
Um eine neue (digitale) Seite anzulegen, gibt es drei Optionen. Als Erstes ist dafür der Knopf oben rechts im Notizbuch. Dabei spielt es keine Rolle, ob man wirklich umblättert oder nur den Knopf drückt. Das Buch schließen und wieder öffnen sorgt automatisch für eine neue Seite und die letzte Variante ist über die App.
Dazu synchronisiert ihr euren Stand mit der App, und dann ist jeder Strich danach eine neue Seite. Also sollte man nur synchronisieren, wenn man auch eine neue Seite möchte. Was trivial klingt, sollte man sich bewusst machen. Also entweder Notizbuch beschreiben, App auf und synchronisieren oder erst App auf und dann schreiben.
Bis zu 50 Seiten kann man laut Webseite beschreiben, bis ein Synchronisieren nötig wird. Das führt mich dann später zu der Zielgruppe des Gerätes. Das ist beeindruckend und auch für vergessliche Nutzende sicherlich kein unwichtiger Hinweis.
Akku
Es gibt wenige Themen, die mir bei einem Testbericht nicht gefallen. Sehr häufig ist es der Akku. Klar ist ein guter Akku (Ladezeiten und Akkulaufzeit) mir wichtig, aber das Tracken ist bei vielen Produkten schwer. Deswegen hier nur zwei Themen: Zahlen und Gefühle.
Die Batterielaufzeit beträgt laut Hersteller 18h und die Stand-by-Zeit liegt bei 30 Tagen. Unter 4 Stunden ist das Huion Note geladen und der Akku ist 1300 mAh groß. Klingt nach vielen sinnvollen und guten Zahlen, aber wie ist mein Gefühl?
Sehr positiv. Man kann sehr lange das Notizbuch verwenden. Der einzige relevante Punkt ist, dass man damit nicht rechnet und es eventuell vergisst, das Notizbuch zu laden. Es ist ein USB-C-Anschluss und viele werden es an einem Schreibtisch oder Tisch in einem Meetingraum verwenden, also sollte Strom in der Nähe sein.
App
Die App hat optisch und vom Aufbau einen „chinesischen Touch“. Für europäische Augen wirkt sie etwas ungelenk und „unstylisch“. Von den Funktionen gibt es reichlich. Für mich ist nur die Synchronisierung wichtig. Das klappt, benötigt aber häufig mehrere Schritte.
So muss ich mich oft einloggen, das Gerät neu verbinden (via Bluetooth auswählen) und dann eine Synchronisierung anfragen. Mal nebenbei ist nicht. Die Übertragung geht dann schnell und auch in das virtuelle Notizbuch, das man vorher ausgewählt hat.
Von dort kann man via Lasso Textpassagen und Seiten verschieben, sowohl im Notizbuch als auch in ein anderes Notizbuch, als auch alles exportieren. Man könnte auch Ergänzungen in der App durchführen. Das heißt: Text hinzufügen, Farben ändern und vieles mehr.
Recall
Eine besondere Funktion hat sich tief in der App versteckt. Wenn man eine Notiz übertragen hat, kann man diese mit der Funktion „Diese Note abspielen“ jederzeit und ohne dass das Huion Note gerade verbunden sein muss, die Notiz abspielen.
Was das heißt? Man kann jeden Strich sehen, wie er gesetzt wurde. Eine Aufzeichnung ist somit möglich. Das ist eine schöne Funktion, zum einen, um einen Verlauf beim Zeichnen zu zeigen, oder als Lerneffekt von Trainern oder Lehrern. Gefällt mir.
Tablet Mode
Da das Huion Note mehr oder minder ein Grafik-Tablet in einem Notizbuch ist, kann man das Huion Note auch als Grafik-Tablet verwenden. Und das geht genauso einfach, wie es sein sollte. Einfach das Huion Note via USB-C an den Laptop anstecken und schon kann es „normal“ verwendet werden.
Natürlich gibt es einige Dinge, die man vorher noch machen sollte. Zum einen ist es zu empfehlen, den Notizblock zu entfernen. Dann sollte man die Stiftspitze gegen die Plastik-Stiftspitze tauschen (vordergründig wegen Abnutzung) und das Einlegeblatt auf den Tablet-Bereich legen (sonst wird das Leder unschön in Mitleidenschaft gezogen).
Am PC muss man dann nur eine geeignete App öffnen (was bei mir tatsächlich länger gedauert hat (ich habe in meinem Leben noch nie ein Grafik-Tablet verwendet)). Und mehr ist nicht zu tun. Das ist sehr einfach und sicherlich kein unwichtiges Feature.
Preis
Einen wichtigen Teil spielt bei einem solchen Gerät natürlich der Preis. Stift und ein Notizbuch ist persönlich, in einer Lederausstattung gehen mehrere Euro an den Verkäufer, aber mit der Technik dürfte das Gerät doch deutlich teurer sein, oder? Wenn ich ehrlich bin, geht so.
Das Huion Note kostet im Shop von Huion UVP 129,99 € und aktuell sogar 94,99 €. Zur Erinnerung: Ihr bekommt das Ledernotebook mit integriertem Grafiktablett, einen Stift mit Haltern und 6 Stiftspitzen. In der reinen analogen Welt dürfte man kaum unter 20 € bleiben. Noch wilder wird es bei Spezialanbietern wie Paper Republic, dort beginnen die Notizbücher bei 50 € ohne Stift.
Zielgruppe
Als ich mit meinen verschiedenen eINK-Papertablets im Büro ankam, habe ich in viele interessierte Gesichter geschaut. Mal war es zu groß, zu klein oder zu digital. Ein Feedback war: Ich würde gerne auf Papier schreiben. Genau für solche Leute ist das Huion Note das Richtige.
Es ist noch ablenkungsfreier – sowohl für den Nutzenden als auch für andere im Raum. Menschen reden freier, wenn es keine Technik gibt und Notizen auf Papier sind größteils „akzeptiert“. Dass man anschließend alles „mitnimmt“, ist auch keine Seltenheit, oft macht man dann Screenshots. Der Vorteil beim Huion Note: Man vergisst es nicht und hat bei besonders vielen Seiten keinen (großen) Aufwand.
Denn heutzutage ist das Handy griffbereit, die Kamera auch, und ein Foto kann schnell mit der KI ausgelesen und in Text umgewandelt werden. Der Automatismus ist hier entscheidend. Reicht das als Zielgruppe? Lange habe ich mir gesagt: Nein!
Bis ich zu einer ganz anderen Zielgruppe gekommen bin. Menschen, die Notizen – egal welcher Art, ob nun Meetingnotizen, Rezepte oder Tagebücher – anfertigen und ein Backup wollen. Also: Man verwendet das Huion Note und synchronisiert 50 Seiten auf einmal. Wenn das Notizbuch voll ist, kann man es in den Schrank packen oder sogar entsorgen.
Mein Senf
Notizen sind – immer noch – wichtig und begleiten mich (vorwiegend) in meinem Arbeitsalltag. Viel zu oft mache ich keine Notizen und bereue es am Ende. Auf der anderen Seite bin ich technikinteressiert und liebe Digitalität. Das sorgt oft dafür, dass Stifte und Papier nicht in meinem Alltag zu finden sind.
Das Huion Note ist wegen des Ansatzes mit dem Grafik-Tablet ganz anders. Ich finde es toll und weiß, dass es einige gibt, die diese analoge Variante sehr zu schätzen wissen. Für mich ist die Synchronisierung (bisher) zu fummelig und Papier zu starr. Soll heißen: Habe ich das Blatt Papier beschrieben, bleibt es da. Keine Korrektur, kein Verschieben oder Neu-Anordnen. Das kann für manche aber auch heilsam sein.
Ich bin nicht die Zielgruppe für das Gerät. Und dennoch macht es sehr viel Spaß, mit dem Gerät zu schreiben und zu sehen, wie die Seiten auf dem Handy erscheinen, oder sogar den Stift – der über dem Blatt schwebt – in der App live zu sehen, ist ein Genuss.
Abschließend muss ich noch einmal betonen, dass es verschiedene Menschen gibt. Man macht – gerade bei analogen Menschen – mit dem Huion Note keinen Fehler. Es ist im Zweifel sogar ein sehr passendes Gerät, auch beruflich kann es ein fehlendes Puzzlestück darstellen.














